Erstellt am 13. April 2016, 05:04

von Michaela Höberth

"Verlegung des Automaten ist Schildbürgerstreich!“. Zweimal über die Gleise: Der einzige Fahrkartenautomat findet sich nun am Bahnsteig Richtung Wien.

Fahrkarten muss man nun am Gleis Richtung Wien kaufen. Die ÖBB will damit dem Großteil der Fahrgäste entgegenkommen.  |  NOEN, Höberth

Es ist ein einfacher Zettel, der am Bahnhof auf eine erhebliche Veränderung hinweist: Der Fahrkartenautomatbefindet sich nicht länger am Bahnsteig Richtung Stockerau, sondern wurde in das Wartehäuschen am gegenüberliegenden Gleis versetzt. Das bedeutet im Klartext: Wer ein Ticket braucht, muss über die Schienen. Wer Richtung Stockerau fahren möchte, darf diese gleich zweimal überqueren.

„Das ist ein Schildbürgerstreich!“, platzt VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha der Kragen. Eigentlich sagte ihr die ÖBB im vergangenen Herbst zu, einen zweiten Fahrkartenautomaten zu installieren.

"Aus wirtschaftlichen Gründen nur ein Ticketautomat"

Irritation kam auf, als man gegenüber der NÖN angab, sich auf einen Automaten zu beschränken. Doch eine erneute Anfrage Batohas bestätigte, dass man bis Ende November einen zweiten Automaten errichten wolle. „Die Leitungen dazu wurden sogar schon gelegt“, so die Ortschefin.

Nun steht fest: Es wird keinen zweiten Automat geben. Die Frequentierung der Haltestelle wurde geprüft. „Diese Analyse hat ergeben, dass der Standort aus wirtschaftlichen Gründen mit maximal einem Ticketautomaten ausgestattet wird“, begründen die ÖBB.

„Wie kann man auf so eine Idee kommen? 
Der alte Zustand muss wieder hergestellt werden.“
Rudolf Göttinger, Mobilitäts-Gemeinderat

Der einzig verbleibende Automat findet sich nun auf dem Gleis Richtung Wien, er wurde vergangene Woche verlegt. „Davon profitiert ein Großteil unserer Fahrgäste“, betonen die ÖBB. Ein Argument, das für Batoha nicht zieht. „Damit setzt man die Fahrgäste, die nach Stockerau wollen, ja einer viel höheren Gefahr aus“, kann sie es nicht fassen.

ÖBB: "Tickets auch online erhältlich"

Auch Mobilitäts-Gemeinderat Rudolf Göttinger schüttelt den Kopf: „Wie kann man auf so eine Idee kommen, ganz ohne Informierung der Gemeinde? Der alte Zustand muss wieder hergestellt werden“, will er sich an die ÖBB wenden.

Die Tatsache, dass Zugtickets auch online erhältlich sind, kann Batoha und Göttinger nicht überzeugen. Das Informationsblatt, das sich am früheren Standort des Fahrkartenautomats findet, verweist auch auf die Kundenschalter der Bahnhöfe in Korneuburg und Stockerau.

„Es ist eine Tatsache, dass ohnehin schon viele Zugfahrer nach Korneuburg ausweichen. Ich verstehe auch nicht, warum die ÖBB den Standort weiter schwächen, obwohl sie doch selbst in den Umbau investieren wollen“, kritisiert Batoha.