Erstellt am 25. Mai 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein und Markus Glück

Wahlkarten drehten das Ergebnis noch um. Im Bezirk siegte Van der Bellen mit 51,3 Prozent. Am Wahlabend lag noch Hofer um 54 Stimmen vorne.

Die Grünen feierten den Wahlsieg in Langenzersdorf: Waltraud Stindl, Renate Kolfelner, Martin Hofer, Robert Korp, Matthias Schabl, Rene Zehner, Elisabeth Kerschbaum, Barbara Schluschanek, Constanze Frech und Rudolf Stroissnig (v.l.).  |  NOEN, Löwenstein
„Das war ziemlich arschknapp“, kommentierte die Grüne Bezirkssprecherin Elisabeth Kerschbaum kurz nach Feststehen des amtlichen Wahlergebnisses am Montagnachmittag. Sonntagabend wollte sie noch nicht recht glauben, dass Alexander Van der Bellen seinen Konkurrenten Norbert Hofer noch schlagen kann.

Bezirk Korneuburg: 1.237 Stimmen Unterschied

Im Bezirk Korneuburg war das schon wahrscheinlicher. Am Wahlabend lag Hofer noch 54 Stimmen vor seinem Mitbewerber. Am Montag drehte sich das Ergebnis, schlussendlich siegte der frühere Grüne-Parteichef mit einem Vorsprung von 1.237 Stimmen. Van der Bellen erreichte 51,3 Prozent und verwies Hofer mit 48,7 Prozent auf Platz zwei. „Wichtig ist jetzt, dass die Aggression rauskommt und das Miteinander wieder im Vordergrund steht“, wünscht sich Kerschbaum.

Van der Bellen hat die Wahl im Bezirk in den Städten und den Wien-nahen Gemeinden gewonnen. Er lag in Bisamberg, Korneuburg, Langenzersdorf, Leobendorf, Spillern und Stockerau vor seinem Kontrahenten. „Dort, wo die Bevölkerung Kontakt zu Flüchtlingen hat, verschwindet die Angst“, analysiert der Korneuburger Matthias Schabl bei der Wahlfeier der Grünen. Die klassischen Lager hätten sich nach der Wahl jedenfalls aufgelöst, ist man bei den Grünen überzeugt. „Es wird nach Angebot und Stimmungslage entschieden. Die Mobilität der Wähler ist hoch“, urteit Schabl.

„Die Polit-Muppets, die Medien und die
Intellektuellen waren gegen uns. Es war
ein Kampf alleine gegen die Mafia.“
Robert Koppensteiner, FPÖ

FP-Bezirkspartei-Obmann Robert Koppensteiner spricht gegenüber der NÖN von einem tollen Ergebnis von FP-Kandidat Norbert Hofer. „Die Polit-Muppets aller anderen Parteien, die Medien und die Intellektuellen haben sich gegen uns gestellt. Es war ein Kampf alleine gegen die Mafia“, hat Koppensteiner die Gründe für die knappe Niederlage bei der Hand. Erfreut zeigt er sich aber, dass die FPÖ in Österreich so stark wie noch nie ist: „Leider haben wir ein Stadt-Land-Gefälle. Auf unsere Landgemeinden im Bezirk bin ich aber stolz.“

Kritisch sieht Koppensteiner aber auch die hohe Anzahl der Briefwähler, wo seiner Ansicht nach einige Personen „zwangsbeglückt“ werden. Von Präsident Alexander Van der Bellen erwartet er sich nicht viel. „Er hat im Wahlkampf eine Schlafmützenpolitik gezeigt. Er wird gut verdienen, gemütlich eine rauchen und keine Anstalten machen, ein aktiver Präsident zu sein.“

„Mir wäre Hofer als Sieger lieber gewesen“, gesteht VP-Bezirksparteiobmann Hermann Haller nach geschlagener Wahl. Er hatte auch mit einem knappen Sieg des blauen Kandidaten gerechnet. „Hätten sie gewonnen, dann hätten sie auch einmal etwas beweisen müssen“, so die Überlegung des VP-Bezirkschefs.
So würde sich der Protest zur nächsten Nationalratswahl verlagern, fürchtet er. Ein bisschen Druck auf die Bundesregierung hätte nicht geschadet, findet Haller. Für eine echte Veränderung der Regierung würden Worte nicht genügen, „jetzt wird der Druck einschlafen“, prophezeit er.

"Sehr viele junge Leute sind wählen gegangen"

Überrascht war Haller auch vom guten Abschneiden Van der Bellens im Bezirk Korneuburg. Vor allem in den Städten und bei den Wahlkarten hatte er Terrain gutgemacht. Als positives Signal wertet Haller die hohe Wahlbeteiligung von 80,5 Prozent. „Sehr viele junge Leute sind wählen gegangen, das hat mich schon überrascht.“

Kühl kommentiert Stockeraus SP-Bürgermeister und SP-Bezirkspartei-Obmann Helmut Laab das Wahlergebnis: „Für mich ist jedes Ergebnis, welches demokratisch entschieden wurde, in Ordnung.“ Laab,
der als Bündnispartner der Stockerau FPÖ auch bei deren Wahlkampf-Feier vorbeischaute und dort eine Hofer-Torte verköstigte, zollt aber beiden Kandidaten Respekt. „Sowohl Hofer als auch Van der Bellen können erhobenen Hauptes durch die Welt gehen“, so Laab.