Erstellt am 26. Februar 2016, 05:04

von Michaela Höberth

„Wer denkt, hat verloren“. Die eigenen Stärken kennenlernen - das ist das Ziel des Kurses des Taekwondo-Vereins. NÖN-Mitarbeiterin Michaela Höberth stellte sich der Herausforderung.

Marcel Gnant zeigt seiner Mutter Sabine die richtige Schlagtechnik mit offener Hand.  |  NOEN, Michaela Höberth

Alles andere als gemütlich ging es die letzten beiden Donnerstagabende in der Turnhalle der VS Wondrak zu: Es wurde geschlagen, getreten und geschrien, und das alles mit einem klaren Ziel. „Die Teilnehmer sollen lernen, ihre Stärken einzusetzen“, so Martin Beranek, Obmann des Taekwondo-Vereins Kumgang Stockerau, der heuer erstmals einen Selbstverteidigungskurs mit vier Terminen anbietet.

Kurs sehr gut besucht

Selbstverteidigung ist ein wesentlicher Teil des koreanischen Kampfsports. Seit 1990 werden vom Verein entsprechende Kurse abgehalten, doch keiner war mit 40 Teilnehmern so gut besucht wie der diesjährige.
In den Einheiten lernen die Teilnehmer – darunter auch einige Männer – die grundlegenden Verteidigungstechniken.

An erster Stelle steht dabei die Stimme: Wer seinen Angreifer anschreit, schreckt ab und zieht Aufmerksamkeit auf sich. Doch auch im Kampf selbst hat der Schrei eine wichtige Funktion: „So lässt sich die Kraft optimal konzentrieren“, erklärt Beranek.

Dennoch ist es als Teilnehmer alles andere als leicht, bei den Übungen beherzt zu brüllen. Ebenso schwer ist es anfangs, mit voller Kraft auf sein Gegenüber einzuschlagen. „Klar, eine Hemmung ist da. Aber halbherzig hinzuhauen bringt nichts; um wirklich auf einen Angriff vorbereitet zu sein, müssen die Teilnehmer 100 Prozent geben“, weiß auch Christian Lehninger, der das Training wie viele andere Vereinsmitglieder begleitet und mit den Teilnehmern übt. Doch Übung macht bekanntlich den Meister, und in Woche zwei wichen die Hemmungen dem Spaß am Sport.

In den ersten beiden Einheiten standen die verschiedenen Schlagtechniken im Mittelpunkt: Zunächst musste man sich mit Händen verteidigen und schützen, dann wurde die Verteidigung mit den Beinen trainiert. Auch erste Angriffe konnten von den Teilnehmern bereits abgewehrt werden. „Die Gruppe hat eine tolle Dynamik. Ich war überrascht, wie gut die Übungen umgesetzt wurden“, ist Beranek begeistert.

Bei den beiden nächsten Terminen werden die erlernten Techniken kombiniert und häufigwiederholt, um sie zu automatisieren. In der vierten Einheit müssen die Teilnehmer dann auch Schlägen standhalten – wer austeilt, muss immerhin auch einstecken können. Eine Lektion, die bei einer Attacke entscheidend sein kann.

Choreografierte Bewegungsabläufe, wie man sie in anderen Kursen gezeigt bekommt, werden jedoch nicht gelehrt. „Wer bei einem Angriff erst nachdenken muss, hat schon verloren. Es geht darum, die eigenen In-stinkte zu schulen. Man soll sich wehren und auf die Gegebenheiten reagieren können, egal wie“, betont Beranek.