Erstellt am 19. Mai 2016, 05:14

von Markus Glück

Wieder Toter in einer Wohnung entdeckt. Toter 65-Jähriger blieb zumindest sieben Tage unentdeckt in seiner Korneuburger Wohnung liegen. Bereits zweiter Fall innerhalb eines Monats

In diesem Mehrparteienhaus in der Leobendorferstraße wurde der Tote gefunden. Foto: Markus Glück  |  NOEN, Markus Glück
Vor knapp vier Wochen berichtete die NÖN über einen 57-jährigen Korneuburger, der 14 Tage tot in seinem Haus in der Leobendorfer Straße lag.

Tragisch dabei war nicht nur der Todesfall – der Mann dürfte durch einen Sturz gestorben sein –, sondern auch die Lebensumstände: Ganz offensichtlich litt der 57-Jährige unter dem Messie-Syndrom.

Wohnung in verwahrlostem Zustand

Wie jetzt erst bekannt wurde, gab es am Sonntag, 8. Mai, einen ähnlichen Fall eines Korneuburgers, der vermutlich sieben bis zehn Tage tot in seiner Wohnung in der Leobendorfer Straße lag. Beim Eintreffen fanden die Einsatzkräfte die bereits großteils verweste Leiche eines 65-Jährigen.

Die Wohnung des Mannes soll sich, ebenso wie beim 57-Jährigen, in einem verwahrlosten Zustand präsentiert haben. In dem Mehrparteienhaus haben mehrere Nachbarn beobachtet, dass der Mann in den letzten Monaten immer mehr abgemagert war. „Er hatte aber keinen Kontakt zu jemand anderem“, so ein Nachbar.

Da Stadtarzt Ewald Prießnitz im Urlaub weilte, stellte die Spillerner Medizinerin Gabriele Fiedler-Straka den Tod des Mannes fest. Die nachfolgende Leichenbeschau führte Prießnitz durch. Die Todesursache ist unklar, eine Obduktion wurde nicht angeordnet.

„Es ist sehr traurig, dass derartige Fälle auftreten und die
Bevölkerung so etwas nicht merkt.“
Ewald Prießnitz,
Stadtarzt


Laut NÖN-Recherchen hatte der Tote Verwandte im Bezirk. Sein letzter Besuch bei einem Arzt datiert aus dem Jahr 1995, danach gibt es auch in Krankenhäusern keine Aufzeichnungen mehr über den Korneuburger.

Geschockt, dass der zweite Fall eines unentdeckten Toten binnen eines Monats aufgetaucht ist, zeigt sich auch Prießnitz: „Es ist sehr traurig, dass derartige Fälle auftreten und die Bevölkerung nichts merkt. Wenn 20 Familien in einem Mehrparteienhaus wohnen und keiner den Tod eines Bewohners merkt, zeigt es aber auch, dass man sich um den anderen immer weniger kümmert.“

Prießnitz spannt dabei den Bogen zwischen dem Stadt- und dem Landleben. „Ich kenne viele Leute, die von der Stadt in einen kleinen Ort gezogen sind. Mir wird dort immer wieder von der Hilfsbereitschaft erzählt“, so der Korneuburger Stadtarzt, der hinzufügt: „Wenn man da zwei Tage nicht gesehen wird, wird einfach nachgefragt, ob es einem gut geht.“