Erstellt am 17. September 2015, 05:32

von Veronika Löwenstein

"Zuhören war wichtig". Tobias Braunsteiner (19) war fast ein Jahr ehrenamtlich für die Organisation Concordia in der Republik Moldau im Einsatz. Die Armut mitten in Europa hat ihn schockiert.

Der 19-jährige Tobias Braunsteiner hat sich ein Jahr lang um Kinder in der Republik Moldau gekümmert. Seinen sozialen Auslandseinsatz hat der angehende Medizinstudent nie bereut, auch wenn er dort mit extremer Armut konfrontiert worden ist. Foto: privat  |  NOEN, privat

Im Juni ist Tobias Braunsteiner von seinem Sozialeinsatz zurückgekehrt. Zehn Monate hat der 19-Jährige nach der Matura am Stockerauer Gymnasium in der Republik Moldau und in Rumänien verbracht. Als Volontär war er für die Organisation Concordia von Pater Georg Sporschill im Einsatz, der sich um rumänische Straßenkinder kümmert und in Moldau Sozialzentren für Kinder und alte Menschen aufgebaut hat.

Nach einem Sprachkurs in Rumänien war Braunsteiner in der „Stadt der Kinder“ in der Nähe von Chisinau im Einsatz. 150 Kinder, Waisen oder aus problematischen Familienverhältnissen, wurden dort betreut.

Der 19-Jährige hat sich um den Tagesablauf der Kinder gekümmert. „Ich habe sie in die Schule gebracht oder in den Kindergarten, habe Hausübungen mit ihnen gemacht oder wir sind am Wochenende spazieren gegangen“, erzählt der angehende Medizinstudent aus Stockerau.

Erschreckende Einblicke in die Armut

Aber auch die Essenslieferung zu den alten Menschen im Ort gehörte zu seinen Aufgaben. Dass es mitten in Europa Menschen gibt, die ohne Strom und ohne fließendes Wasser in absoluter Armut leben, war für den jungen Mann erschreckend.

„Am Anfang war es schlimm zu sehen, wie dreckig es den Menschen geht. Aber man gewöhnt sich daran“, erzählt er. Vor allem eine Frau ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Es gab kein Licht, im Haus war es vom Einheizen total verraucht und es gab nicht einmal sauberes Geschirr.“ Braunsteiner hat dann erfahren, dass die alte Dame von fünf Euro Pension im Monat leben muss. „Deswegen sind auch alle Selbstversorger.“

Anders als andere freiwillige Helfer hätte er sich schnell an seine neue Situation angepasst, schildert Braunsteiner. Seine Entscheidung, ein soziales Jahr im Ausland zu verbringen, hat er auch nie bereut: „Die alten Leute haben sich gefreut, dass ihnen jemand zuhört. Zuhören war überhaupt der größte Teil der Arbeit. Und den Kindern konnte ich ihre Tage verschönern“, zieht der Stockerauer Bilanz.

Braunsteiner half bei Pflegefamilie mit

Zwei Monate hat er bei einer Familie gewohnt, die fünf Pflegekinder in ihre Obhut genommen hat. „Ich habe sie während der Einfindungsphase unterstützt.“ Plötzlich nicht Teil eines großen Projekts zu sein, sei eine Umstellung gewesen, gibt Braunsteiner zu. „Es ist schwieriger, sich abzugrenzen und sich Ruhepausen zu nehmen“, hat er die Erfahrung gemacht.

Was ihm wirklich schwer gefallen ist, war der Abschied von „seinen“ Kindern in Moldau. „Am schönsten war, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen und zu merken, dass man ihnen wichtig ist.“