Erstellt am 26. Juli 2016, 05:14

von Thomas Werth

Sebastian Hieke: „Menschen starben, wo ich einkaufe“. Sebastian Hieke, ehemaliger NÖN-Mitarbeiter in Krems, studiert in München und berichtet, wie er den Amoklauf erlebt hat.

Der ehemalige NÖN-Mitarbeiter Sebastian Hieke (im Bild vor dem Münchner Rathaus) studiert in der bayerischen Landeshauptstadt und berichtet der NÖN, wie er den Amoklauf, der neun Todesopfer gefordert hat, in der vergangenen Woche miterlebt hat.  |  NOEN, privat

Neun Todesopfer hat der Amoklauf eines 18-jährigen Deutsch-Iraners im Münchner Olympia-Einkaufszentrum gefordert, der Täter richtete sich danach selbst.

Einer, der den Tatort sehr gut kennt, ist Sebastian Hieke. Der ehemalige Mitarbeiter der Kremser NÖN studiert mittlerweile an der LMU München Philosophie. Und er berichtet: „Es hat mich ängstlicher Unglaube beschlichen, als ich hörte, dass Menschen dort gewaltsam sterben, wo normalerweise mein Großeinkauf erledigt wird.“

Zum Tatzeitpunkt war Hieke zu Hause am nördlichen Stadtrand. „Aber die Wucht der Ereignisse hat einen ins Zentrum des Geschehens befördert. Es war verstörend, die Bilder zu sehen, die das Schnellrestaurant zeigen, das kurzerhand zur Einsatzzentrale der Polizei umgebaut wurde.“

„Erst nach Mitternacht verflüchtigte sich die Unsicherheit langsam"

Anfangs soll die Lage chaotisch gewesen sein. Hieke berichtet von Videos auf Online-Plattformen, auf denen der mutmaßliche Täter zu sehen sein soll. „Freunde wollen anderenorts Schusswechsel gehört haben und sie warnten davor, sich zu verstecken und zu bleiben, wo man sei“, erzählt Hieke. Die Nachrichten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lieferten immer mehr Neuigkeiten, auch die Opferzahl musste mehrmals nach oben korrigiert werden.

„Erst nach Mitternacht verflüchtigte sich die Unsicherheit langsam, als alles auf einen Einzeltäter ohne Terrorabsicht hingedeutet hat“, berichtet Hieke von dem traurigen Tag in der bayerischen Hauptstadt.