Erstellt am 10. September 2015, 15:11

Atemberaubend virtuos: Mutter’s Virtuosi. Klassikexperte Karl Jäger besuchte die Matinee des Grafenegg-Festivals, die von Anne-Sophie Mutter und Mutter’s Virtuosi gestaltet wurde.

Anne Sophie Mutter  |  NOEN, Tina Tahir/Deutsche Grammophon
Die vorletzte Matinee des Festivals Grafenegg stellte das Ensemble Mutter’s Virtuosi vor. Die Stargeigerin Anne-Sophie Mutter richtete eine Stiftung ein, die es sich zu Aufgabe gemacht hat, jungen hochbegabten Streichersolisten weltweit Unterstützung zum Beginn ihrer Karriere zu geben. Im Rahmen des Grafenegg-Festivals trafen sich ehemalige und derzeit aktive Stipendiaten unter der Leitung von Anne-Sophie Mutter zu einem Konzertvormittag.

Zwei der Werke des Programms waren eigens für die „Virtuosi“ komponiert. Allen voran Krzysztof Penderecki. Der immer Inspirierte komponierte ein „Duo Concertante“ für Violine und Kontrabass (!). Das Stück von Penderecki geht bei beiden Instrumenten an die spielbaren Grenzen – voll von Einfällen und virtuosem Figurenwerk – Dreifachgriffe in der Violine, Doppelgriff-Glissandi vom Kontrabass und viele Schwierigkeiten mehr, bis alles in einer virtuosen Schlussstretta endet.

Der Bass ist einen Ganzton nach oben gestimmt, das gibt ihm einen etwas kantableren Klang.  Der Partner von Mutter war Roman Patkoló, der aus  dem schwierigen Instrument alles  „herausholte“, was möglich war - ein ideales Spielerduo.

Das Folgewerk wurde auch für die Stiftung geschrieben - ein „Nonett für 2 Streichquartette und Kontrabass“ von André Previn, den meisten nur als Dirigent bekannt. Das Stück hat tonale Grundlage, ist aber von dissonanten Harmonien durchsetzt, Anklänge an Jazz und Filmmusik sind nicht zu überhören Eine sehr gelungene und ansprechende Komposition.

Vor der Pause dann noch Bach mit seinem Doppelkonzert BWV 1043, wobei Mutter die erste Violine spielte und je eine Dame aus den Virtuosi die zweite. Brillant geigten die Damen diese Musik, die mich nicht so anspricht (seine Kammermusik ist genial erdacht, aber ohne Empfindung).

Wie ist das doch anders bei Vivaldi und seinen „Vier Jahreszeiten“, voller Einfälle, instrumentaler Effekte und hochvirtuos. Mutter gestaltete mit ihrem Ensemble eine schlichtweg geniale Wiedergabe, hochexpressiv,  atemberaubend virtuos, jeder motivierte den bzw. die anderen zu Höchstleistungen – es verschlug einem den Atem. Das Publikum- enthusiastisch bei so viel Kunst und Können.