Erstellt am 19. April 2016, 04:14

von Thomas Werth

Aufregung um getöteten Schwan. Freilaufender Hund von Bundesrätin Kern biss Vogel. Sie wehrt sich aber gegen den Vorwurf, einfach weitergegangen zu sein.

Sandra Kern bezweifelt, dass ihr Hund dem Schwan diese Verletzung zugefügt hat. Das Bild des verwundeten Tieres wurde auf Facebook gepostet, was große Aufregung auslöste. Katharina Sonnleitner von der Tierrettung war kurz nach Alarmierung - etwa eineinhalb Stunden nach dem Vorfall - vor Ort: »Die Bisswunde am Hals war so tief, dass man mit dem Finger den Knochen berühren konnte. Das Tier konnte nicht mal mehr den Hals heben.« Dass der Schwan noch von einem weiteren Tier attackiert worden sein könnte, schließe sie - nicht zuletzt aufgrund von Zeugenaussagen - aus.  |  NOEN, Foto: privat

Für große Aufregung sorgt derzeit die Attacke eines freilaufenden Hundes auf einen Schwan bei einem Fischteich in der Au in Hollenburg, der für den Vogel tödlich endete. Der Vorfall selbst ereignete sich schon Anfang April, ist aber noch immer Gesprächsthema, seit bekannt wurde, dass es sich bei der Hundehalterin um Bundesrätin Sandra Kern handelt.

Und die Vorwürfe beschränken sich nicht nur auf die Vernachlässigung der Leinenpflicht. So wird ihr auch nachgesagt, keine Hilfe geholt zu haben und einfach weitergegangen zu sein. Dagegen wehrt sich Kern.

Kern: "Habe Jäger angerufen"

Kurz zur Attacke: Der Hund soll den Schwan – der seine Partnerin und das Nest verteidigte – im Wasser attackiert haben. Zeugen riefen die Polizei, die die Tierrettung informierte. Diese nahm den Schwan, der sich über den Teich an das andere Ufer schleppte, mit ins Tierheim, wo der Tierarzt ihn aber nur mehr von seinen Qualen erlösen konnte.

„Das mit dem Schwan stimmt“, erklärt Kern auf NÖN-Anfrage. Ihr Hund sei einige Meter hinunter zum Schwan gelaufen und habe diesen – nachdem er sich vor dem Hund aufgeplustert habe – attackiert. „Es stimmt aber nicht, dass ich einfach weitergegangen bin“, so Kern. Stattdessen habe sie vor Ort mit Anwesenden gesprochen („Ich wusste nicht, was ich machen soll“) und schlussendlich einen Jäger angerufen (Kern besitzt selbst seit einem Jahr den Jagdschein) und ihm die Situation geschildert.

Tierheim: "Verhalten verantwortungslos"

„Er sagte mir, dass man den Schwan, der mittlerweile mitten im Teich war, in Ruhe lassen sollte.“ Denn Kern habe nicht damit gerechnet, dass das Tier schwer verletzt gewesen sei. „Mein Hund hatte ja gar kein Blut an sich.“ Sie ist überzeugt: „Das Einzige, was man mir vorwerfen kann, ist, dass ich den Hund nicht angeleint hatte.“

Das Kremser Tierheim bezeichnet das Verhalten als verantwortungslos. „Es sollte allgemein bekannt sein, dass Wildtiere um diese Jahreszeit brüten oder ihre Jungen aufziehen. Daher sollten Hunde nur an der Leine durch Wald und Flur geführt werden“, so Nina Zinn-Zinnenburg. Laut Tierheim wurden die zuständigen Behörden über den Vorfall informiert.