Rossatz-Arnsdorf

Erstellt am 20. März 2018, 05:36

von Gertrude Schopf

Empörung in Arnsdorf über Familien-Abschiebung. Das Schicksal der sechsköpfigen Flüchtlingsfamilie Muashi aus Arnsdorf bewegt – nicht nur – Pater Clemens Reischl.

Immer wieder gab es in Rossatz-Arnsdorf Unterstützung für die Flüchtlingsfamilie Muashi (im Bild mit dreien ihrer vier Kinder). So stellte sich die Mascherpauer’sche Stiftung mit einer Geldspende ein, die Ernst Kendl (rechts) überreichte. Im Namen der Pfarre bedankte sich Pfarrgemeinderats-Obmann Roman Högl (links).  |  NOEN

„Ich bin sehr traurig und bestürzt!“ Die „Stellungnahme“ von Pater Clemens Reischl, Pfarrer in Mautern und Moderator in den Pfarren Rossatz und Arnsdorf, zur Abschiebung der syrischen Flüchtlingsfamilie Muashi hat enormes Echo und Betroffenheit hervorgerufen. Auf Facebook und auch im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes in Arnsdorf hat er den Fall Muashi zur Sprache gebracht.

„Da wird keinerlei Rücksicht auf Kleinkinder genommen“

Am Samstagmorgen war die sechsköpfige syrische Flüchtlingsfamilie, die seit über zwei Jahren im Pfarrhof in Mitter arnsdorf eine Bleibe gefunden hatte, von der Polizei abgeholt worden. Sie wurde laut Reischl bereits am Montag in ein Flüchtlingslager nach Kroatien abgeschoben. Die Begründung: Dort habe die Familie erstmals die EU betreten.

Pater Clemens Reischl kämpft für Menschlichkeit und Gerechtigkeit.  |  privat

Auch wenn rechtlich alles abgesichert scheint, sei vor allem die Vorgangsweise „wirklich schlimm. Dass ich mich für die Familie Muashi einsetze, ist eine Frage von Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit“, so Reischl.

Tatsächlich stand die Fremdenpolizei um 7 Uhr am Morgen vor der Pfarrhoftür – ohne Vorankündigung. „Die Familie musste binnen einer halben Stunde ihre Sachen zusammenpacken. Da wird keinerlei Rücksicht auf Kleinkinder genommen“, kann auch Daniela Schütz diese unmenschliche Vorgehensweise nicht verstehen.

Und auch die Abschiebung an und für sich ist für sie alles andere als gerecht, eine „willkürliche Entscheidung“, denn „die Schwester und der Cousin der Familie Muashi sind mit ihren Familien vor zwei Jahren ebenfalls nach Österreich gekommen und haben mittlerweile einen positiven Asylbescheid bekommen. Wo bleibt da die Logik“, fragt sie sich.

„Sie waren sehr bemüht, sich zu integrieren“

Die Arnsdorfer Pfarrgemeinderätin Schütz kennt die syrische Familie, weil sie viele Wege und Behördenschritte gemeinsam mit ihr erledigt hat („Wir sind Freunde geworden“). Sie kennt auch deren Schicksal: Die Muashis stammen aus der syrischen Stadt Homs, die schwerst bombardiert wurde. Die Familie musste bei der Flucht alles zurücklassen, kam über Rakka und die Türkei im Schlauchboot nach Griechenland und dann per Bus über die Balkanroute bis in die Wachau.

Der dreieinhalbjährige Mohammed ist von Fluchtangst gezeichnet, fürchtet sich vor Wasser, er hat erst vor kurzem eine Trauma-Therapie begonnen. Der Vater der Familie ist laut Reischl IT-Techniker, die Familie war sehr zurückhaltend, die Kinder (11, 8 und 3,5 Jahre alt) haben Kindergarten und Volksschule besucht. Der jüngste Sohn Hamsa kam vor einem Jahr im Pfarrhof zur Welt.

Die Familienmitglieder waren „sehr bemüht, sich zu integrieren. Ich habe sie in Deutsch unterrichtet“, fehlt auch Vizebürgermeisterin Hedwig Hirnschall „jegliches Verständnis für diese Entscheidung“. Die wohl nicht mehr rückgängig zu machen ist – der Einspruch gegen die Abschiebung ist allerdings noch im Laufen. „Ich kann mich nicht damit abfinden, dass wir so mit Menschen umgehen“, ruft Pater Reischl zur Sensibilisierung in der Flüchtlingsfrage auf.