Krems

Erstellt am 03. Januar 2018, 05:40

von Udo Sagl

Knalleffekt im Fall Stieger: Die Spur führt ins Ausland. Knalleffekt im Fahndungsfall Franz Stieger: In einem „Bekennerschreiben“ an die NÖN nennt der Gesuchte die Gründe für seine Flucht. Und er lässt die Justiz grüßen.

„Ich wünsche schöne Feiertage“ – Franz Stieger (58) lässt grüßen: Der flüchtige Behördenschreck gibt nach knapp zwei Wochen absoluter „Funkstille“ erstmals wieder ein
Lebenszeichen von sich. Laut eigenen Angaben hat er sich ins Ausland abgesetzt.

„Bekennerbrief“ an die NÖN-Redaktion

Wie berichtet, war Stieger Mitte Dezember von einem seiner amtlich genehmigten Haftausgänge nicht mehr in die Justizanstalt zurückgekehrt, wo er 17 Monate Gefängnisstrafe wegen diverser Stalkingvergehen absitzen sollte.

In einem „Bekennerbrief“ an die Kremser NÖN-Redaktion schreibt der Gesuchte nun, dass er sich im „Exil“ in Liechtenstein befinde. „Ich konnte leider nicht in Krems bleiben“, begründet er seine Flucht unter anderem damit, dass er Zwangsenteignungen und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt worden sei.

Offenbar hat Stieger keinerlei Absicht, wieder ins Gefängnis zu gehen. Im Gegenteil: In dem handschriftlich verfassten Brief richtet er der Anstaltsleitung – namentlich Oberstleutnant Roman Pachschwöll – schöne Feiertagswünsche aus. Gleichzeitig bittet der Flüchtige, eine Kopie des Schreibens an die Justiz weiterzuleiten. Das ist inzwischen geschehen, und die Gefängnisleitung hat ihrerseits die Polizei informiert.

Pass und Führerschein lagen abholbereit

Interessanter Aspekt: Bei seinen mehrfachen Haftausgängen hatte Stieger jede Menge Gelegenheit, seine Flucht gut vorzubereiten. Wie jetzt durchsickerte, war der Häftling nachweislich auf Visite in seinem Haus in der Mölkergasse. So konnte er sich daheim seinen Reisepass und den Führerschein abholen.

Das Auto des Geflüchteten blieb zurück. Es steht abgemeldet in der Mölkergasse. Kurz nach seinem Verschwinden wurde Stieger von Zeugen in Wien gesichtet. Deshalb stellt der in Liechtenstein abgestempelte Brief die Behörden vor ein Rätsel.

Allerdings wird bezweifelt, dass sich der Gesuchte tatsächlich (noch) in Liechtenstein (oder in der benachbarten Schweiz?) befindet und dauerhaft im „Exil“ bleibt. Vielmehr glauben die Beamten, dass er irgendwann nach Krems zurückkommt, um „offene Rechnungen“ zu begleichen: „Ein Stieger gibt nicht auf ...“