Erstellt am 02. August 2016, 05:30

von Petra Vock und Udo Sagl

Mutige Helfer: „Lebensgefahr ja, Angst nein!“. Um Unwetterschäden abzuwenden, nehmen Feuerwehr und Hagelflieger das Risiko in Kauf.

Thomas Stoifl: „Wenn man zu einer Gewitterwolke fliegt, weiß man, was auf einen zukommt.“  |  NOEN, NÖN-Archiv

„Diese Männer haben großen Mut bewiesen, weil bei den Löscharbeiten für alle 100 Feuerwehrleute Blitzschlaggefahr bestand – speziell auch für diejenigen auf der Drehleiter“, lobt Feuerwehr-Bezirkssprecher Christoph Firlinger in den höchsten Tönen die Leistungen der Einsatzkräfte.

Es waren dramatische Momente in der Nacht auf Sonntag vergangener Woche: Der Blitz hatte in die Kirche von Droß eingeschlagen, es blitzte und donnerte ununterbrochen, und der Kirchturm brannte.

Die Feuerwehrmänner mussten sich vor herabfallenden Dachziegeln in Acht nehmen, und auch das Kreuz drohte herabzustürzen. „Als wir mit der Drehleiter dazugekommen sind, war der schlimmste Teil des Gewitters schon vorüber“, beschwichtigt Paul Seitz von der Feuerwehr Krems, der den Drehleitereinsatz in Droß überwachte.

„Die örtlichen Feuerwehren hatten den Dachstuhlbrand mit Wasserwerfern schon sehr effektiv bekämpft“, schildert Seitz. Aber natürlich sei ein metallisches Teil, das hoch hinaufgeht, besonders vom Blitz gefährdet – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bleibe immer ein Restrisiko, so Seitz: „Das wissen wir. Aber wir haben Freude daran zu helfen und nehmen das in Kauf.“

„Wir fliegen dann, wenn andere landen...“

Ähnlich sehen es die Hagelpiloten, die erst letzte Woche wieder dafür gesorgt haben, dass der Raum Krems weitgehend von Hagelschäden verschont blieb. „Vor allem am Dienstag war es heftig“, schildert Johannes Eckharter, Geschäftsführer des Kulturenschutzvereines Langenlois-Umgebung. „Insbesondere im Raum Hadersdorf war die Lage sehr ernst. Eigentlich war die ganze Wachau betroffen – unsere Piloten waren zweimal knapp nacheinander mit allen drei Flugzeugen im Einsatz.“

Dabei ist ein gewisses Risiko immer mit an Bord, das leugnet auch Eckharter nicht: „Wir fliegen halt dann, wenn andere landen.“ Vor allem die Landung sei dann oft „ein Abenteuer“, so Eckharter: „Man darf nicht beim größten Seitenwind landen, sondern muss oben bleiben und warten, bis sich die Lage beruhigt hat.“

„Angst kommt keine mehr auf“, sagt Hagelabwehr-Einsatzleiter Thomas Stoifl. „Wenn man zu einer Gewitterwolke fliegt, weiß man, was auf einen zukommt, und man kennt die Grenzen des Flugzeugs. Sobald ich merke, dass ich nur noch Spielzeug bin, keine Höhen mehr halten kann und extrem nach oben und unten gehe, muss ich sagen: ,Aus, das war‘s, wir müssen hier weg!‘“, schildert Stoifl.

Solch dramatische Szenen habe es heuer aber noch nicht gegeben: „Die intensiven Gewitter, die heuer bei uns durchgezogen sind, waren meist in der Nacht“, so Stoifl. Nachts fliegen die Hagelpiloten nur dann, wenn sie noch bei Tageslicht starten können, denn der Flugplatz Krems ist nicht beleuchtet.

Und was, wenn die Situation zu heftig ist, um zu landen, und es wird bereits dunkel? „Dann weichen wir nach Brünn, Bratislava oder Wien-Schwechat aus“, berichtet Stoifl. Auch das sei schon vorgekommen.

Genau wie die Feuerwehrleute arbeiten übrigens auch die Hagelpiloten ehrenamtlich. Das Motiv? „Ich weiß, was Hagel anrichten kann“, erklärt Stoifl. Es sei die Herausforderung und das gute Gefühl, nachher sagen zu können: „Wir haben es wieder mal geschafft. Das Gebiet ist verschont geblieben.“