Erstellt am 29. Mai 2016, 05:04

von NÖN Redaktion

Blutreinigung durch Kapseln aus Krems. Fresenius Medical Care Adsorber Tec produziert als einzige Firma in Österreich Adsorber, die Schadstoffe aus dem Blut binden.

Bei Fresenius Medical Care Adsorber Tec werden Produkte zur Blutreinigung hergestellt.  |  NOEN, Manuel Tauber-Romieri

Bei Fresenius Medical Care Adsorber Tec in Krems dreht sich alles um Blutreinigung. „Wir versuchen, durch Entfernung schädlicher Stoffe aus der Blutbahn Menschen zu helfen“, erläutert Wolfram Strobl, General
Manager. 

Bei Blutreinigungsverfahren erhält der Patient nicht wie bei Medikamenten einen Wirkstoff direkt im Körper. Sondern: Bei Aphereseverfahren wird Blut beziehungsweise Blutplasma aus dem Patienten gepumpt und
über einen Adsorber geleitet. In den Adsorber-Kapseln sind Feststoffe, an deren Oberfläche Schadstoffe aus dem Blut hängen bleiben. Das gereinigte Blut gelangt dann wieder zurück in den Patienten.

Je nach Produkt werden dabei unterschiedliche schädliche Bestandteile aus dem Blut entfernt. Zum Beispiel LDL-Cholesterin bei Fettstoffwechselerkrankungen. Erhöhtes LDL-Cholesterin ist einer der wichtigsten Risikofaktoren bei der Entstehung von Atherosklerose. Auch bei Autoimmunerkrankungen, bei denen sich Antikörper gegen den eigenen Körper richten, werden schädliche Bestandteile entfernt.

Bei Leberversagen und Allergien Ein weiteres Produkt von Fresenius Medical Care Adsorber Tec hilft bei der Entgiftung des Blutes bei Leberversagen. Gefährliche Substanzen können die Schädigung der Leber verstärken
und weitere Organe schädigen.

"Österreichweit einzige Firma die Absorber produziert"

Und: Neu ist ein Adsorber für Patienten, die schwer unter Allergien leiden, schweres Asthma oder schwere Hauterkrankungen aufweisen. „Ziel ist es, Patienten zu helfen, die zum Teil lebensbedrohliche Symptome zeigen.“Hier will man weitere Studien und Anwendungsbeobachtungen machen. Zum Einsatz kommen diese Verfahren jedoch nur bei schwer kranken Menschen. Wenn eine Lebensstiländerung keine Verbesserung gebracht hat und medikamentöse Therapien nicht ausreichen. Patienten müssen dazu immer wieder für mehrere Stunden in Kliniken. Die Behandlung ist teuer. Die Technologien sind aufwändig. 

Auch sind diese Verfahren nicht überall verfügbar. In Österreich gibt es am AKH eines der größten Apheresezentren, wo diese Blutreinigungen durchgeführt werden können. Adsorber-Produktion exklusiv in Krems  Ähnlich selten sind die Orte der Produktion. „Wir sind in Österreich die einzige Firma, die
Adsorber produziert“, so Strobl. Auch werden alle Adsorber für Fresenius exklusiv in Krems produziert,
bevor sie über das Headquarter in Deutschland vertrieben werden und in ganz Europa, Lateinamerika oder im Nahen Osten landen.

Krems als idealer Standort

Wieso gerade in Krems? Hier hat die Donau-Uni vor Jahren Österreich Adsorber, die Schadstoffe aus dem Blut binden. Kapseln aus Krems einen Schwerpunkt rund um Blutreinigung & Co. eingerichtet. Es wurde viel geforscht. Und: 1999 wurde Fresenius Medical Care Adsorber Tec als Spin-Off der Donau-Uni unter dem Namen „Biotec Systems Krems“ gegründet und Teil des globalen Gesundheitskonzerns Fresenius.

Das Zentrum für Biomedizinische Technologie an der Donau-Uni und auch die IMC FH Krems bringt einen weiteren Vorteil: „Wir sind in der Lage, gute Leute zu rekrutieren.“ Darüber hinaus bietet der Standort genug Platz für das Unternehmen. Beschäftigt sind mittlerweile etwa 60 Mitarbeiter. Im vorigen Jahr hat man den Sprung zum mittelständischen Unternehmen geschafft. „Wir wachsen seit der Gründung“, freut sich Strobl.

Was für die Zukunft geplant ist? „Wir arbeiten weiter an neuen Produkten“, so der CEO.


Technopole

Technopole vernetzen Partner aus Wirtschaft, Forschung und Bildungseinrichtungen, Multiplikatoren und Key Playern. „In NÖ werden an den Technopolen Krems, Tulln, Wiener Neustadt und Wieselburg unterschiedliche Technologie- und Forschungsschwerpunkte mit dem Ziel verfolgt, NÖ als innovativen Hightech-Standort in Europa auszubauen“, verrät www.ecoplus.at

Schwerpunkte in Tulln sind etwa natürliche Ressourcen und biobasierte Technologien, in Wr. Neustadt Medizin- und Materialtechnologien, in Wieselburg Bioenergie, Agrar- und Lebensmitteltechnologie
und in Krems Gesundheitstechnologien. Eckpfeiler des Technopols Krems, an dem auch Fresenius Medical
Care Adsorber Tec angesiedelt ist, sind die Donau-Uni, die IMC FH Krems, das BTZ – Biotechnologiezentrum
Krems und das RIZ Nord.  www.ecoplus.at/technopole