Erstellt am 11. November 2015, 15:23

Borkenkäfer sind Plage im Waldviertel. Der höchste Bestand seit Mitte der 90er-Jahre bedroht Fichten. Vor allem der Gföhler Raum ist massiv betroffen. 100.000 Festmeter im Bezirk sind befallen.

Bezirksförster Martin Koppensteiner ist zusammen mit seinen Kollegen in den Wäldern des Bezirks unterwegs, um nach geschädigten Bäumen Ausschau zu halten. »Befallenes Holz muss sofort aus dem Wald gebracht werden, damit keine weiteren Bäume befallen werden«, erklärt er.  |  NOEN, Foto: Johann Lechner
Der heiße Sommer in Zusammenhang mit wenig Niederschlag hat auch dem Kremser Bezirk eine massive Borkenkäfer-Plage beschert. „Zuletzt gab es Mitte der 90er-Jahre so viele Käfer wie heuer“, erklärt Bezirksförster Martin Koppensteiner. Vor allem im Gföhler Raum gibt es großflächige Schäden, im Bereich der Wachau und im Dunkelsteinerwald wird punktueller Befall gemeldet. Insgesamt sollen 100.000 Festmeter betroffen sein.

Borkenkäfer bohren sich zunächst durch die Rinde des Baumes und zerstören anschließend durch den Fraß der erwachsenen Käfer und Larven das für den Baum lebensnotwendige Bastgewebe. Die Folge: Besiedelte Bäume sterben ab, die Käfer suchen sich die nächsten.

Heißer Sommer sorgte für starke Vermehrung

Der Borkenkäfer ist ein sogenannter Sekundärschädling, hat es vorwiegend auf kranke oder geschwächte Bäume abgesehen. Während ein gesunder Baum noch bis zu 2.000 Einbohrversuche der Borkenkäfer durch Harzfluss abwehren kann, haben durch Hitze und Trockenheit viele Fichten heuer dem Käfer nichts entgegenzusetzen. „Außerdem gab es heuer viele Zapfen, was den Bäumen zusätzlich viel Kraft gekostet hat“, erklärt Koppensteiner.

Die klimatischen Bedingungen des heurigen Sommers schwächten aber nicht nur die Bäume, sie waren auch optimale Voraussetzungen für eine Vermehrung der Borkenkäfer. Ein Borkenkäferweibchen kann bis zu 40 Jungkäfer in knapp acht Wochen produzieren. Bei einem warmen Spätherbst kann sogar eine dritte Generation gebildet werden.

„In einem normalen Jahr folgen auf einen befallenen Baum drei weitere. Heuer sind es zehn“, schildert Bezirksförster Richard Zeinzinger. Dazu kommt, dass Borkenkäfer in allen Stadien überwintern können. „Es hilft dann nur ein feuchtes Frühjahr mit viel Regen, dann fangen die Käfer zu verpilzen an“, erklärt Koppensteiner.

Mangelnde Waldhygiene problematisch

Neben der Witterung spielen auch seltener werdende Mischwälder eine große Rolle bei der Vermehrung der Borkenkäfer. „Buche und Tanne befällt er nicht. Allerdings ist die Fichte der ,Brotbaum‘, einfach zu pflegen und ertragreich“, erklärt Koppensteiner. Dazu ist mangelhafte Waldhygiene ein Problem. „Bei Befall muss schnell reagiert werden, der betroffene Baum muss umgeschnitten und aus dem Wald gebracht werden. Es gibt aber Waldbesitzer, die gehen oft erst im Winter in den Wald“, erklärt Koppensteiner.

Zusammen mit seinen Kollegen ist er daher selbst oft unterwegs. „Bei einer Schadensmeldung erfolgt sofort eine Aufforderung zur Entfernung des Baumes bis zu einem Stichtag bei Androhung einer Ersatzvornahme und einem Strafverfahren“, so Zeinzinger. Die meisten würden darauf aber tüchtig reagieren. Kein Wunder: Die Schäden wirken sich natürlich auch auf den Verkaufswert aus – vom Borkenkäfer befallenes Holz ist nur etwa die Hälfte wert im Vergleich zu jenem eines gesunden Baumes.