Krems

Erstellt am 14. Oktober 2016, 15:26

von Thomas Werth

Pharma-Riese Shire schließt Kremser Standort. Konzern gibt bekannt, Standort nicht zu nutzen. Entscheidung sei aus „strategischen Gründen“ gefallen, das Gebäude soll nun verkauft werden.

Shire zieht sich aus Krems zurück, das Gebäude soll verkauft werden.  |  Johann Lechner

Schluss, aus und vorbei! Der Pharma-Riese Shire, der erst im Juli mit Baxalta fusionierte (das zuvor Teil von Baxter war), hat keine Verwendung mehr für den Kremser Standort und trennt sich von ihm. „Wir beenden das Projekt in Krems“, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt. Damit nimmt ein 14 Jahre andauerndes Tohuwabohu (siehe Infobox) mit unzähligen Verschiebungen, Treue-Bekenntnissen und Hoffnungsschimmern ein – zumindest vorläufiges – Ende.

Als Grund werden „veränderte Parameter, die bis vor kurzem den Standort Krems gerechtfertigt haben“, genannt. Die Entscheidung, den Kremser Standort aufzugeben, sei daher strategisch notwendig gewesen und international nicht ungewöhnlich. Näher möchte der Konzern nicht darauf eingehen – ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Fusionierung wird aber abgestritten.

Ein Bild aus besseren Tagen: Vertreter von Baxter und der Stadt (Karl-Heinz Hofbauer, Michael Noe, Bürgermeister Reinhard Resch, Vizebürgermeister Gottfried Haselmayer, Karl Petrovsky und Vizebürgermeister Wolfgang Derler) verkündeten im Oktober 2013, dass der Pharma-Riese 2018 mit der Produktion in Krems beginnen wird.  |  NOEN, Archiv

Wie die NÖN erfahren hat, soll sich die Nachfrage nach dem Medikament zur Therapie von Blutgerinnungsstörungen, das neben dem bereits bestehenden Produktionsstandort in Wien auch in Krems hergestellt werden sollte, nicht so entwickelt haben, wie es sich der Konzern vorstellt. Daher wird das Mittel nun lediglich in Wien produziert. Für Krems gibt es offenbar keine Alternative.

Die 65 Mitarbeiter, die in Krems bereits Testläufe für das Mittel absolvierten, wurden Donnerstagvormittag von dieser Entscheidung informiert. Sie sollen dem Konzern so gut wie möglich erhalten bleiben und künftig in den zwölf verbliebenen Shire-Standorten in Österreich arbeiten. Wo dies nicht möglich sei, werde nach einer einvernehmlichen Lösung mit einem gemeinsam mit dem Betriebsrat ausgearbeiteten Sozialplan gesucht. Zuvor sollen die Mitarbeiter noch bis etwa Jahresende in Krems bleiben und am Herunterfahren des Gebäudes mithelfen.

Fast zeitgleich mit den Mitarbeitern wurden auch Bürgermeister Reinhard Resch sowie Landesrätin Petra Bohuslav über den Shire-Entschluss informiert. „Das ist natürlich extrem bedauerlich. Es kam für uns völlig überraschend und ohne Vorzeichen“, ist Resch betroffen. „Es ist eine Konzern-Entscheidung, die zu bedauern ist“, heißt es aus dem Büro der Landesrätin.

Einer der vielen Rückschläge: Im Februar 2006, in einer Zeit des Stillstandes, ist durch die Kälte ein Manometerschauglas geborsten, 1.200 Kubikmeter Wasser mussten von der Feuerwehr hinausgepumpt werden.  |  NOEN, Archiv

Shire möchte das Gebäude nun verkaufen. „Es werden Käufer gesucht“, bestätigt das Unternehmen auf NÖN-Anfrage.

Bedeckter gibt man sich hingegen auf die Frage, wie viel in den Jahren in der Wachaumetropole investiert worden ist. Noch zu Baxter-Zeiten im Frühjahr 2015 war von 138 Millionen Euro die Rede, die notwendig seien, um 2018 mit der Produktion zu starten. Nachdem bereits 65 der 100 Mitarbeiter die Tätigkeit mit Testläufen aufgenommen haben, ist anzunehmen, dass zumindest die Hälfte der Summe bereits investiert wurde. Shire möchte aber öffentlich (noch) keine Krems-Bilanz ziehen: „Das lässt sich derzeit in absoluten Zahlen nicht sagen, zumal wir die Investitionen in Krems mit dem geplanten Verkauf der Immobilie gegenrechnen müssen.“

Gerüchte, es könnten auch Millionen an Fördergeldern in das Projekt geflossen sein, dementieren übrigens sowohl das Land als auch Shire: „Es gab keine Förderung!“