Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:43

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Die Gemeinderatswahlen brachten vier neue Bürgermeister. In Krems dominierten Bauvorhaben die Diskussionen in Politik und Gesellschaft.

Mit 38,3 Grad war Krems am 25. Juli der Hitzepol Österreichs. Der Juli war überhaupt der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen vor 80 Jahren und lag vier Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Und im August ging es nahtlos weiter. Da blieb für die Schwestern Janina und Alexandra nur noch die vergleichsweise kühle Donau zur Erfrischung.  |  NOEN, Johann LECHNER

Zweite Gemeinde im Bezirk wird „rot“

Die Gemeinderatswahlen Ende Jänner bescheren der SPÖ neben Paudorf einen zweiten Bürgermeister im Bezirk. Weil die ÖVP in Lengenfeld vier Sitze verliert, kommt es zum Mandatsgleichstand mit der SPÖ. Zünglein an der Waage ist damit die Bürgerliste mit Ex-ÖVP-Vize Ernst Thaller, die Christian Kopetzky zum Bürgermeister kürt.

Weitere Besonderheiten: Ludmilla Etzenberger erobert in Gföhl mit einem Plus von drei Mandaten die absolute Mehrheit für die ÖVP zurück. In Albrechtsberg löst der bisherige Koalitionspartner Franz Rosenkranz von der Unabhängigen Gemeindeliste Bürgermeisterin Ingrid Kleber ab. Neu ins Amt des Ortschefs kommen auch Josef Ott (Senftenberg) und Hubert Trauner (Weißenkirchen).
 

Gasthof Hofbauer muss neuer Galerie NÖ weichen.

„Das Projekt der ,Galerie NÖ‘ ist die Krönung der Kunstmeile. Damit wird Krems endgültig von der geheimen zur offiziellen Kulturhauptstadt des Landes.“ Bürgermeister Reinhard Resch zeigt sich im Mai überglücklich, als die Pläne für die neue Landesgalerie von Landeshauptmann Erwin Pröll, dem künstlerischen Leiter Christian Bauer sowie Bernhard Marte vom siegreichen Architekturbüro marte.marte präsentiert werden.

Der Bau mit einer markanten schuppenartigen Fassade aus Aluminium und Blech wird ab dem Frühjahr 2016 auf dem Areal des derzeitigen Gasthauses Hofbauer und des angrenzenden Parkplatzes gegenüber der Kunsthalle und neben dem Karikaturmuseum errichtet. 35 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Als Eröffnungstermin wird Ende 2017 angepeilt. „Es ist dies ein historischer Moment in der Kulturpolitik des Landes“, betont Pröll. „Das Land besitzt eine museale Sammlung mit rund sechs Millionen Objekten und Exponaten im Wert von 1,5 Milliarden Euro. Nur vier Prozent davon können derzeit gezeigt werden.“

Auf 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll in wechselnden Zusammenstellungen mehr davon präsentiert werden. Wenngleich der Schwerpunkt bei Werken vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart liegen wird, so werde man bei vielen Fragestellungen aus der Jetztzeit weiter zurückgreifen, erläutert Christian Bauer. Als erste Schwerpunkte kündigt er Ausstellungen zum 300. Geburtstag von Martin Johann (= Kremser) Schmidt, zum 100. Todestag von Egon Schiele (malte auch in Stein) und aus der Sammlung des Kremsers Franz Hauer (einst Besitzer des Hotels „Weiße Rose“ in der Oberen Landstraße) an.

Auch im Umfeld der künftigen Galerie tut sich einiges. Das Gasthaus Hofbauer wird geschleift. Neben dem Sportplatz Stein wird ein Parkdeck mit Trainingsfeld auf dem Dach errichtet, und eine Untertunnelung des Zellerplatzes soll den Bereich vom Durchzugsverkehr möglichst frei halten.
 

Gestohlene Engerlfigur wieder da

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Eine vor über 35 Jahren gestohlene Engelfigur ist zu Ostern wieder an ihren Platz in der Pfarrkirche Spitz zurückgekehrt. "Sie ist plötzlich wieder am Altar gelegen. Wer sie zurückgebracht hat, wissen wir nicht“, erklärt ein überraschter Pfarrer Josef Gugler. Dementsprechend hatte er beim ersten Anblick auch gar nicht daran gedacht, dass es sich dabei um das gestohlene Engerl handeln könnte.

„Wir dachten zunächst, dass es aus einer anderen Kirche stammt. Doch dann hat der Mesner es mit dem zweiten Engerl, das nach dem Diebstahl des ersten vom Altar entfernt wurde, verglichen. Und siehe da, sie waren ident“, schildert Gugler. Übrigens: Gugler selbst hat die Figur auch erstmals selbst gesehen. „Ich bin seit 1979 in der Pfarre, sie wurde aber schon vorher gestohlen.“

Gleichzeitig mit der Rückkehr des Engels erhielt die NÖN ein anonymes Schreiben. Darin äußerte sich der angebliche Rückgeber, dass er vor einiger Zeit die Figur bei einem Wiener Flohmarkt gekauft und erst im Februar erfahren habe, dass sie gestohlen worden sei. „Daher habe ich sie an ihren Platz auf dem Altar zurückgestellt. Das gibt eine schöne Osterstory“, schreibt der Unbekannte in dem Brief.
Die beiden Figuren sind nun wieder am Altar aufgestellt.
 

Junge Feuerwehrmänner als Brandstifter

Im Juli und August gehen in immer kürzeren Abständen Müllcontainer im Kremser Stadtzentrum und Holzstöße am Treppelweg in Flammen auf. Ein 19-jähriger Lehrling kann von Polizisten auf frischer Tat ertappt werden, als er in der dritten Nacht in Serie einen Holzstoß beim Treppelweg anzündet. Er zeigt sich geständig, insgesamt elf Papiermüllbehälter angezündet sowie fünf Flurbrände gelegt und zwei Holzstöße in Brand gesetzt zu haben.

Allerdings gibt er bei der Einvernahme an, vom 17-jährigen Freund angestiftet und teilweise auch zu den Tatorten gefahren worden zu sein. Danach sei dieser in die Feuerwehrzentrale gefahren, um bei den Löscharbeiten zu helfen. Beide Burschen werden aus der Feuerwehr ausgeschlossen.


Diskussionen um Tiefgarage Südtirolerplatz

Zum Dauerbrenner wird der Plan von Finanzinvestor Otmar Seidl, Besitzer des Einkaufszentrums Steinertor, unter dem Südtirolerplatz eine Tiefgarage zu errichten. Die Stadt erklärt sich bereit, danach die Oberfläche neu zu gestalten. Bei einem Architektenwettbewerb wird der Vorschlag des Kremser Büros Göbl zum Sieger gekürt. Das Projekt sieht eine großflächige Platzgestaltung vor, damit der Bereich auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Das Vorhaben ist umstritten. Einerseits wird die Notwendigkeit der Tiefgarage generell infrage gestellt. Zum anderen geht es um die neue Verkehrsführung, die knapp am Stadtcafé Ulrich vorbeiführt und nicht zuletzt um die Platzgestaltung, für die von der Stadt 1,3 Millionen Euro veranschlagt sind. Trotz allem: Mit dem Bau soll im Sommer 2016 begonnen werden, Fertigstellung zum Wachauer Volksfest Ende August 2017.

Notiz am Rande: Franz Meister hat zwar sein Gasthaus in der Austraße wegen Pensionsantritts geschlossen – er kann’s aber nicht lassen und führt ab kommendem April den Brauhof beim Steinertor als bayrischen Biergarten.


Cobra-Einsatz gegen Dschihadisten

Ein Großaufgebot der Polizei mit der Spezialeinheit Cobra und Beamten der Terrorbekämpfung stürmt Ende März frühmorgens ein Haus in der Wachaustraße in Krems. Zwei Tschetschenen, 27 und 31 Jahre alt, werden festgenommen. Sie stehen im Verdacht, für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gekämpft zu haben.

Angeordnet wurde der Einsatz gegen die Dschihadisten von der Staatsanwaltschaft Krems. Dort beruft man sich auf Informationen aus Deutschland, die den Ausschlag für den überraschenden Zugriff gegeben haben. Die weiteren Erhebungen können die Vermutungen nicht bekräftigen.

Es gibt auch keinen Kontakt zu einem mutmaßlichen Dschihadisten (30) aus Heidenreichstein, dem in Krems unter stärksten Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gemacht wird. Der Angeklagte beteuert bis zuletzt seine Unschuld. Die Schöffen halten die Beweise für einen Kampfeinsatz in Syrien für ausreichend: Schuldspruch wegen Terrorunterstützung, fünf Jahre Arrest!
 

Meidling im Tal protestiert gegen Steinbruch und Haltestellenschließung

Doppelten Grund zu Besorgnis und Ärger haben die Bürger der Paudorfer Katastralgemeinde Meidling: Einerseits ist da die geplante Erweiterung des Steinbruchs in Richtung Osten, andererseits die Auflassung der Bahnhaltestelle im Zuge der Umstellung auf den neuen Winterfahrplan.

Steinbruchbetreiber Asamer bestätigt die Ausbaupläne, was einen massiven Protest der Bürgerinitiativen „Lebenswertes Paudorf“ und „Freunde des Dunkelsteinerwalds“ nach sich zieht. Sie befürchten eine weitere Einschränkung der Lebensqualität durch Staub, Lärm und Schwerverkehr. Ein informelles Gespräch von Asamer-Abgesandten mit den Vertretern der Initiativgruppe und den ebenfalls skeptischen Gemeindevertretern im Rathaus kann die Bedenken nicht zerstreuen.

Ergebnislos verläuft der Protest der Bürgerinitiativen „Nein zur ÖBB Haltestellenschließung Meidling im Tal“ und „Freunde des Dunkelsteinerwalds“ gegen die Auflassung der Bahnhaltestelle. Die Bahnfahrer aus Meidling müssen künftig mit einem Bedarfs-Shuttlebus zum Bahnhof Paudorf und retour vorliebnehmen. So er fleißig genutzt wird, ist ein künftiger Fixkurs des Busses möglich.
 

Gondel über die Donau?

Von der Utopie zum Projekt. „Als Hirngespinst wurde meine Idee vor Jahren noch abgetan. Es wäre aber eine tolle Sache, wenn das was werden würde!“ Nicht nur Ex-Gemeinderat Sepp Trinkl aus Aggsbach Markt denkt nach dem Scheitern der Pläne zu einer Fähre zwischen den beiden Aggsbach-Orten über eine Gondelverbindung nach. Auch Altbürgermeister Anton Draxler aus Aggsbach Dorf verfolgt die Idee einer „Luftverbindung“ über die Donau schon seit Jahren. „Die Verbindung wäre touristisch wie auch punkto Infrastruktur für unsere beiden Dörfer ein großartiger Entwicklungsschub“, kann sich auch Vizebürgermeister Josef Kremser für diese Pläne erwärmen.

Im November konstituiert sich die „Interessensgemeinschaft Pendelbahn Wachau“ als Verein, Obmann ist Draxler, Stellvertreter Kremser. Aufgabe des Vereins ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, um eine Seibahn über die Donau zu errichten, die automatisch, ohne Personal, betrieben werden kann. Angebote von Seilbahnherstellern werden eingeholt.


Heiße Debatten um Ehrenring für Ex-Stadtchef

Karl Simlinger ist seit knapp zwei Jahren nicht mehr Bürgermeister von Gföhl, doch er sorgt noch immer für Schlagzeilen. War es damals der Sager über „Scheiß-Asylanten“ und „Pressefritzen, die wie Juden sind“, der seinen Rücktritt heraufbeschwor, so geht es in diesem Jahr um eine Ehrung durch die Gemeinde.

Vorgesehen ist der Ehrenring. Bevor es im Oktober zur Beschlussfassung kommt, ziehen die Oppositionsparteien aus der Gemeinderatssitzung aus. Im zweiten Anlauf kommt kurz vor Weihnachten die notwendige 2/3-Mehrheit (vermutlich ÖVP, FPÖ und Liste König) zustande. Das Mauthausenkomitee attackiert Simlinger als „notorischen Judenhasser“.
 

Langenlois wird maturareif

Höhere Lehranstalt für Sozialmanagement ab dem Schuljahr 2016/17. Gespräche gab es schon länger, im Oktober ist es offiziell: Ab dem Schuljahr 2016/17 wird es in Langenlois eine fünfjährige Ausbildung geben, die mit einer Reife- und Diplomprüfung abschließt und auf Fachhochschulstudiengänge im gesundheitlichen und sozialen Bereich vorbereitet.

Außerdem ist der Abschluss mit kaufmännischen Berufsberechtigungen verbunden. „Für Niederösterreich ist diese Schulform völlig neu“, informiert Klaus Doujak, Leiter der Fachschule der Schulschwestern. Seit 1997 bereitet die Fachschule für Sozialberufe auf weiterführende Schulen für Gesundheits- und Sozialberufe vor und vergibt auch kaufmännische Berufsberechtigungen.

„Wegen der großen Nachfrage gibt es die Kombination von Wirtschaft und Sozialem ab dem nächsten Schuljahr auch mit Matura“, so Doujak.
 
 

Zitate des Jahres

„Da sind ja fast so viele Besucher wie bei einer Versammlung der Wiener ÖVP.“
Bernhard Görg, ehemaliger Wiener ÖVP-Chef, bei der Lesung aus seinem Kriminalroman in Krems.

„Die Landesgalerie, die Umgestaltung des Südtirolerplatzes, die Karl-Landsteiner-Universität und jetzt auch noch die Unterführung Zellerplatz – das ist wie eine neue Gründerzeit.“
Bürgermeister Reinhard Resch

„Wenn beim Bau der Tiefgarage kein Skelett gefunden wird, dann wohl oben auch nicht.“
Magistratsdirektor Karl Hallbauer zum Vorwurf der Opposition, die Stadt müsse bei der Gestaltung des Südtirolerplatzes mit Kosten durch Verzögerungen rechnen.

„Wir haben einen Mopedschlüssel erhalten, den uns ein Finder mit der Post geschickt hat. Man sollte also nie die Hoffnung aufgeben.“
Brigitte Fischer, Kremser Fundamt

„Der Baurechtsvertrag für die Tiefgarage läuft bis 2114. Unser jüngster Grün-Gemeinderat ist der Einzige, der – aber nur bei gesunder Lebensweise – das Auslaufen vielleicht erleben könnte.“
FP-Gemeinderat Walter Rosenkranz
 



2015 nahmen wir Abschied von...

… Gedesag-Chef in Ruhe Benedikt „Beno“ Lethmayer. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Gedesag ist Ende Mai im 90. Lebensjahr gestorben. Er war von 1947 bis 1990 bei der Kremser Wohnbaugesellschaft Gedesag tätig, davon 18 Jahre als Chef. Lethmayer wurde mit dem goldenen Verdienstzeichen von Bund und Land geehrt. 1987 erhielt er den Ehrenring der Stadt Krems, unter anderem für seine besonderen Verdienste im Bereich der Gebäuderevitalisierung wie Bürgerspital, Göttweiger- oder Lilienfelderhof.

... Ing. Franz Wolfgang Tegl aus Krems-Stein. Im 55. Lebensjahr hat er Anfang September den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren. Tegl war Geschäftsführer des Psychosozialen Zentrums Schiltern. Seit 1993 leitete er die Einrichtung, die sich der Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen widmet.

... Adolf Halbertschlager, Rot-Kreuz-„Urgestein“. Der Langenloiser starb im Februar, er stand im 75. Lebensjahr. Ihm lag die Arbeit beim Roten Kreuz sehr am Herzen, er war Organisator unzähliger Blutspendeaktionen (daher der Spitzname „Vampir“) und Mitorganisator der Rot-Kreuz- Heurigen. Sein Engagement wurde mit dem Stadtwappen in Gold und der Verdienstmedaille in Gold des Roten Kreuzes gewürdigt.

… Ing. Adolf Gastegger, ehemaliger Leiter des Kremser Wasserwerkes, verschied  im April im 80. Lebensjahr.

… Dr. Herbert Sajovic (78), langjähriger Arzt im Kremser Krankenhaus und Initiator des Kremser Notarztwagens, starb im August.

... Heurigenwirt Karl Schwaighofer, Mautern. Der Winzer und Heurigenbesitzer stirbt nach seiner Erkrankung überraschend am 1. November, einen Tag nach seiner Halloween-Party im Severinhof der Schwaighofers. Der 1966 Geborene legte an der Fachschule Krems die Weinbau- und Kellermeisterprüfung ab, eröffnete 2006 mit seiner Frau Elisabeth den Severinhof und war ein preisgekröntes Mitglied von Vinea Wachau Nobilis Districtus sowie Obmann des NÖ Bauernbund-Ortsverbands Mautern.

… Johann Schmöger (86). In Gföhl trauert man im März um den ehemaligen Vizebürgermeister, Vorsitzenden des Sparkassenrates und Unternehmer (Landesprodukte- und Brennstoffhandel) Johann Schmöger.

… Baumeister Ing. Alfred Kahrer, langjähriger Bürgermeister der Marktgemeinde Krumau und erfolgreicher Bauunternehmer. Er wurde 82 Jahre alt. 30 Jahre lang leitete er bis 1992 die Geschicke der Waldviertler Gemeinde.