Dürnstein

Erstellt am 09. Februar 2018, 04:55

von Gertrude Schopf

Torwächterhaus: Skelettfund bei Arbeiten. Im Zuge der Erneuerung des Fußboden-Aufbaus im ehemaligen Torwächterhaus kamen menschliche Skelette und Skelettteile zum Vorschein.

Horst Kalser von „ARDIG“ mit einigen der menschlichen Knochen, die bei den Grabungsarbeiten im Torwächterhaus gefunden wurden.  |  Lechner

Man weiß nie, was man findet, wenn man in einem denkmalgeschützten Haus zu graben anfängt.

Das denkmalgeschützte ehemalige Torwächterhaus an der Stadtmauer steht auf einer Bestattungs-Stätte.  |  Lechner

Der Verein „Vinotake“, der im ehemaligen Torwächterhaus vor dem östlichen Stadttor seit 2006 einen Querschnitt der regionalen Weine anbietet, wollte den altersschwachen Holzboden erneuern.

Die Bretter waren entfernt, mit Spitzhacken und Schaufel wurde der Untergrund aufgegraben, als da plötzlich im Schutt vergangener Jahrhunderte Gebeine zum Vorschein kamen: In etwa 15 bis 20 Zentimetern Tiefe wurden menschliche Knochen gefunden.

Vorstandsmitglieder des Vereins „Vinotake“ am Fundort: Gregor Stöger, Manfred Konrad, Helmuth Weiss.  |  NOEN

Experten vom archäologischen Dienst „ARDIG“ aus St. Pölten übernahmen dann ab Anfang vergangener Woche die „Feinarbeit“, gruben vorsichtig weiter.

Zwei Skelette konnten fast vollständig geborgen werden, sie befanden sich noch in ihrer ursprünglichen Lage. Weitere zwei Schädel und zahlreiche lose Knochen sowie auch Keramik- und Metallteile fanden sich in dem Schuttmaterial.

Torso und Kopf einer jugendlichen Person konnten in ihrer ursprünglichen Lage freigelegt werden.  |  NOEN, Kalser

„Die Toten liegen da sicherlich schon mindestens 500 Jahre“, gab Horst Kalser von „ARDIG“ eine erste Datierungsschätzung. Sie wurden seinen Ausführungen zufolge mit Sicherheit vor dem Bau des Torwächterhauses (es wurde im späten Mittelalter errichtet) in der Erde vor der Stadtmauer begraben – ohne Särge oder besondere Grabbeigaben.

Es könnte sich um „sieche“ Personen mit einer besonderen Krankheit gehandelt haben, die man auf dem Kirchenfriedhof nicht bestatten wollte. Und es würden wohl noch weitere Skelette gefunden werden, wenn man tiefer graben würde ...

Auch zwei historische Mauerreste wurden im Inneren des Torwächterhauses freigelegt, die aus dem 13. beziehungsweise 14./15. Jahrhundert stammen.

Die Fußboden-Arbeiten wurden durch die Dokumentation der Mauern- und Knochenfunde um etwa eine Woche verzögert. Finanziell muss der Verein für den Archäologen-Einsatz aufkommen. „Wir rechnen mit etwa 5.000 Euro“, so Kassier Gregor Stöger – für den Verein kein Pappenstiel.