Erstellt am 05. Mai 2016, 04:34

von Petra Vock

Einsätze mit Blaulicht. „Erstatten Sie Anzeige!“, lautet das Motto – und Dutzende Kremser ließen sich nicht lange bitten.

 |  NOEN, J. Lechner

Bereits in den ersten Tagen sind Dutzende „Anzeigen“ eingegangen: „Wir haben wirklich sehr viel zu tun“, berichtet Julius Deutschbauer von der „Kunstinspektion Donau“, die bis zum Ende des Donaufestivals im Stadtcafé Ulrich ein „Wachzimmer“ betreibt.

Einer der ersten Einsätze führte die Inspektoren ins BORG zu Florian Nährer. Der engagierte Kunst-Lehrer hatte das „Unheil“ freilich selbst herbeigeführt, indem er die Anzeigeformulare unter seinen Schülern verteilt hatte – und die ließen sich nicht zweimal bitten.

Während die Schüler überwiegend Jux-Anzeigen einbrachten, sind die meisten anderen Beschwerden ernst gemeint. So wurde mehrfach angezeigt, dass in Krems nach 18 Uhr die Gehsteige hochgeklappt sind.

„Bei der Beweisaufnahme mussten wir feststellen, dass selbst nach stundenlangem Herumirren mit unserem Einsatzfahrzeug außer einer Pizzeria in Stein kein Lokal auszumachen war, das nach 21.30 Uhr uns nicht mit dem Zuruf ,Wir machen gleich zu‘ empfing“, protokollierten die Kunst-Inspektoren in ihrem Blog auf www.donaufestival.at.

Im Visier der Anzeigen

Wegen ihrer Öffnungszeiten gerieten auch die Stadtbücherei und die Kunsthalle ins Visier von Anzeigen. Da es keinen langen Abend gibt, fühlen sich Berufstätige ausgesperrt. Außerdem wurde die Kunsthalle angezeigt, dass das Gebäude des künftigen Kunstmuseums nicht ins Landschaftsbild passe.

Gleich vier Anzeigen brachte der Kremser Historiker Robert Streibel ein. Krems sei „die einzige Stadt in Österreich, wo ein General der Deutschen Wehrmacht einen Gedenkstein hat“, so Streibel. Außerdem kritisiert er unter anderem die Straßenbenennungen nach den NS-getreuen Schriftstellern Maria Grengg und Hans Plöckinger und fordert ein Gedenken an die Widerstandskämpfer. „Dem gehen wir sicher nach“, kündigte die Kunstinspektion an.

Unter den Ersten, die persönlich bei der Kunstinspektion vorstellig wurden, war der anzeigenerprobte Franz Stieger. Er brachte Anzeigen gegen den Gerichtspräsidenten, den Bürgermeister und den Magistratsdirektor ein. Im Blog der Kunstinspektion wird er nur der „Kohlhaas von Krems“ genannt. Die Aktion läuft bis 7. Mai, Anzeigeformulare und Infos gibt es unter www.donaufestival.at.