Erstellt am 03. Mai 2016, 07:34

von Thomas Werth

Eiszeitbaby war ein Bub. Eine Probe vom Schädeldach des am Wachtberg gefundenen, 31.000 Jahre alten Säugling-Skeletts, brachte neue Erkenntnisse – auch über Abstammung der Europäer.

Das Skelett des Säuglings wurde 2006 gefunden.  |  NOEN, Lechner

Der am Wachtberg vor etwa 31.000 Jahren bestattete Säugling war ein Bub – diese Erkenntnis konnten Forscher aus einem kleinen Stück des Schädelknochens des mit rund drei Monaten verstorbenen Eiszeitbabys gewinnen.

Gefunden wurde das Skelett am Wachtberg vor knapp zehn Jahren bei einem gut erhaltenen Lagerplatz, in dessen Nähe auch die Doppelbestattung der „Zwillinge von Krems“ gefunden wurde (die NÖN berichtete mehrfach).

Neben dem Schädel des in gehockter Lage mit dem Kopf südwärts und dem Gesicht nach Osten begrabenen Kindes wurde zudem eine Elfenbeinnadel freigegraben. Bis auf die erwähnte Entnahme einer kleinen Probe ließen die Forscher den Skelett-Fund aber unberührt, da die Knochen extrem porös und schlecht erhalten sind.

DNA-Untersuchung ergab Sicherheit

Die DNA-Untersuchung der Probe habe nun Gewissheit beim Geschlecht des Babys ergeben. „Anhand der morphologischen Merkmale hätte man das nie erkennen können“, betont Maria Teschler-Nicola vom Naturhistorischen Museum Wien.

Gleichzeitig wurde auch festgestellt, dass der Neandertaler-Anteil in seinem Erbgut 3,9 Prozent beträgt. Denn das Baby ist eines von 51, zwischen 7.000 und 45.000 Jahre alten Funde aus ganz Europa, deren Erbgut von einem Forscher-Team untersucht wurde, um die Herkunft der heutigen Europäer zu bestimmen.

So stellte sich einerseits heraus, dass der kleine Bub zu einer Population, die zu den Vorfahren der heutigen Europäern zählt, gehörte, andererseits, dass Migranten aus dem Nahen Osten bereits viel früher als angenommen (vor 14.000 Jahren) die bäuerliche Kultur in Europa verbreitete.

Zugleich wurde auch ein kunstgeschichtliches Rätsel mit den DNA-Analysen geklärt. Die Venus von Willendorf und eine in Kostenki (Russland) gefundene Figur sehen einander extrem ähnlich. Da die Menschen in den beiden Regionen aber genetisch völlig verschieden waren, ist in diesem Fall nicht der Mensch, sondern das Wissen gewandert.