Erstellt am 07. Juni 2016, 04:15

von Thomas Werth

Facebook-Gruppe warnt: „Vorsicht, es wird geblitzt“. Größte Facebook-Gruppe in der Region warnt auch vor Polizei. Diese hat damit kein Problem.

»Wellenspiel stehens«: so lautet eine der vielen Nachrichten, die unter anderem vor Polizeikontrollen in der Facebook-Gruppe »Einsatz und Verkehrswarnungen im Bezirk Krems« warnen - manchmal sogar mit Foto.  |  NOEN, Foto: Screenshot

Facebook-Nutzer wissen es: Wer die Chance vergrößern will, unliebsame Begegnungen mit der Polizei in und um Krems zu vermeiden, der wirft kurz vor seiner Fahrt einen Blick in die Gruppe „Einsatz und Verkehrswarnungen im Bezirk Krems“. Seit der Vorwoche zählt die größte Facebook-Gruppe der Region über 7.000 Mitglieder. Eines ihrer Hauptziele: vor Radargeräten und Polizeikontrollen zu warnen.

Gründer ist der in Brunnkirchen wohnhafte Thomas Wechtl (35). Vor rund vier Jahren hat er gleich drei derartige Gruppen ins Leben gerufen: je eine für Krems, Tulln und Mistelbach. „Sie sind damals aus Jux entstanden, weil ich mir Strafen sparen wollte, als ich noch nach Mistelbach pendelte“, schmunzelt der 35-Jährige. Während er mit Tulln und Mistelbach bald wieder aufhörte, entwickelte sich aus der Krems-Gruppe eine zahlenmäßig imposant wachsende Facebook-Community. „Spätestens als wir 3.500 Mitglieder erreicht haben, war mir klar, dass es ernst geworden ist“, erzählt Wechtl.

Bis zu 200 Postings am Tag

Wechtl, der beruflich im St. Pöltner Krankenhaus arbeitet, wendet rund eine Stunde täglich für die Betreuung der Gruppe auf: „Ich lese 90 Prozent der Beiträge.“ Das kann mitunter viel Lesestoff bedeuten: Bei Planquadraten oder größeren Ereignissen wie Unwetter sind über 200 Postings am Tag möglich. Zudem schreibt er selbst regelmäßig Blitzer-Warnungen oder Unfall-Meldungen.

Unterstützt wird er mittlerweile von vier weiteren Administratoren. Sie prüfen unter anderem im Vorfeld jedes neue Mitglied, um ,Fake-Profile‘ auszuschließen und kontrollieren die Beiträge (sie werden nicht zuvor geprüft), ob sie gegen die Gruppen-Regeln verstoßen (Beleidigungen, Werbung und ähnliches).

Wechtl betont aber, dass die Radar-Warnungen nur einen Teil der Gruppe ausmachen: „In erster Linie geht es um die Sicherheit.“ Unfälle werden ebenso gepostet wie Warnungen vor Nebel oder ähnlichen verkehrsbehinderten Ereignissen. „Wir konnten sogar einmal einen Fall von Fahrerflucht klären“, ist Wechtl stolz.

Polizei reagiert mit Flexibilität

Was der 35-Jährige, der auch bei der Feuerwehr aktiv ist, keinesfalls lesen möchte, sind Beleidigungen gegen die Exekutive. „Verniedlichungen lasse ich gelten, was darüber hinausgeht, wird gelöscht.“

Die Polizei hat übrigens – offiziell zumindest – kein Problem mit der Facebook-Gruppe. „Wir befürworten bei Unfällen den Informationsfluss“, erklärt Manfred Dornhackl, Verkehrsreferent am Bezirkspolizeikommando. Auf Radarwarnungen reagiert die Exekutive mit Flexibilität. „Unsere Jüngeren sind ja teilweise auch in dieser Gruppe. Wenn sie sehen, dass es bereits eine Standort-Warnung gibt, dann suchen wir uns eben einen neuen Platz“, betont Dornhackl. Dementsprechend würden Planquadrate ohnehin bereits flexibel gestaltet werden.