Erstellt am 02. Februar 2016, 04:13

von Karl Pröglhöf

Franken-Kredite waren für die Stadt zu „steil“. Kritik an Beratung, Mangel an Fachwissen und zu träger Apparat für schnelle Entscheidungen führte zu Millionenverlust.

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Im Nachhinein ist man gescheiter! - So könnte man den 70-seitigen Kontrollamtsbericht über die Fremdwährungskredite der Stadt zusammenfassen, bei dessen Debatte sich die Gemeinderäte Asche aufs Haupt streuten: Man habe zu blauäugig agiert, sich auf die Beratung eines Finanzdienstleisters verlassen und letztlich sei der Apparat mit den notwendigen Beschlüssen im Gemeinderat zu schwerfällig, um tagesaktuell auf Kursschwankungen zu reagieren.

Aus den erhofften Zinsgewinnen ist nämlich durch die Änderung des Wechselkurses zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken ein dickes Minusgeschäft geworden. „Über 5 Millionen Euro wurden schon in den Sand gesetzt, 7 bis 10 werden bis zur Endfälligkeit der restlichen Kredite im Jahr 2022 noch dazu kommen“, nannte KLS-Gemeinderat Wolfgang Mahrer Zahlen.

Wolfgang Chaloupek im Kreuzfeuer

Stadtrat Wolfgang Chaloupek verwahrte sich gegen den Vorwurf, das Controlling hätte versagt. Nun gehe es darum, Vorsorge für die Bedeckung der Kredite aufzubauen, waren sich die Debattenredner einig.

Uneingeschränktes Lob gab es für Kontrollamtsleiterin Elisabeth Marecek für die penible Aufarbeitung der komplexen Materie, obwohl sie kritisierte, dass manche Akten unvollständig waren. Sandra Mayer (Grüne), Leiterin des Kontrollausschusses, forderte, vorgeschlagene Maßnahmen des Kontrollamtes in Zukunft konsequenter umzusetzen.

Ähnliche „Brösel“ gibt es auch in St. Pölten, wo es wegen derartiger SWAP-Geschäfte um mehr als 60 Millionen Euro ging. Vor wenigen Tagen hat man sich mit der Raiffeisen-Landesbank auf einen Vergleich geeinigt, wobei an der Landeshauptstadt Kosten von über 30 Millionen Euro hängenbleiben werden.