Krems

Erstellt am 14. März 2017, 05:29

von Franz Aschauer

Party-Veranstalter: „Die Großdisco-Zeit ist vorbei“. Die ehemalige Kremser Disko-Hochburg „Millennium“ ist zu einer Veranstaltungshalle geworden.

Ein Relikt aus vergangenen Zeiten: Die Werbetafel für die „Disco Play“ wurde aus Kostengründen noch nicht entfernt.  |  Johann Lechner

Vor knapp zehn Jahren musste mit dem „Millennium“ eine der erfolgreichsten Großdiskotheken Österreichs schließen. Was danach folgte, kann ohne Zweifel als Ära von Misserfolgen bezeichnet werden.

Zahlreiche Betreiber bissen sich an dem Tanztempel im Gewerbepark die Zähne aus, Namen wie „G“, „Fifty Fifty“, „Estate“, „Up“ und zuletzt „Play“ konnten die Kurzzeitigkeit der Projekte allerdings nicht verhindern.

Mittlerweile ist aus dem Riesen-Areal im Cinemaplexx-Komplex eine Veranstaltungshalle geworden, wo Kino-Eigentümer Peter Hauswirth und „Party2nite“-Geschäftsführer Martin Neger laufend Events organisieren.

„Ich glaube, dass kleinere Clubs einfach besser gehen.“„Party2nite“-Geschäftsführer Martin Neger

Unter dem Namen „Event Stage Krems“ geht dort schon am kommenden Wochenende die nächste Veranstaltung Negers über die Bühne. „Danach sind noch fünf weitere Veranstaltungen in diesem Jahr geplant“, erzählt Neger, für den die Disko im Gewerbepark eine willkommene Alternative zu den „stillgelegten“ Österreich-Hallen sind.

Martin Neger veranstaltet in diesem Jahr noch sechs Events im Gewerbepark. Foto: Archiv  |  NÖN

„Ich bin sehr froh, dass Hauswirth erkannt hat, dass Krems einfach eine Veranstaltungshalle braucht. Für die Österreich-Hallen sehe ich keine Zukunft und die Römerhalle ist zu klein. Generell betrachtet ist die Hallen-Situation leider eine Katastrophe“, schildert Neger.

Eine realistische Zukunft für einen regulären Diskobetrieb sieht der Eventveranstalter derzeit nicht. „Ich fürchte, die Zeit der Großdiskotheken ist einfach vorbei. Das hat aber nichts mit Krems zu tun, man muss nur nach Wien blicken. Da tun sich alle Betreiber enorm schwer. Ich glaube, dass kleinere Clubs einfach besser gehen.“

Ausschließen möchte Neger einen regelmäßigen Diskobetrieb ab 2018 trotzdem nicht. „Ich muss schauen, wie die Events heuer angenommen werden. Die Option ist jedenfalls da.“

Seine Chance bereits gehabt hat hingegen Alexander Schütz, Betreiber der letzten Diskothek („Play“) im Gewerbepark. Mit vielen Vorschusslorbeeren ging der Ex-„Club-Couture“-Chef aus Wien in das Projekt in Krems: „Wir werden dort einen klasse Job machen und frischen Wind nach Krems bringen“, war sich Schütz sicher.

„Play“ war nach zwei Monaten Geschichte

Diskobesitzer Peter Hauswirth kann sich eine neue Disko derzeit nicht vorstellen.  |  NOEN, privat

Nur zwei Monate später war das Abenteuer aber schon wieder vorbei. Der letzte „Play“-Überrest ist eine Werbetafel an der Fassade der Diskothek, die aus Kostengründen nicht entfernt wurde.

„Es ist damals an einigen Aspekten gescheitert. Mittlerweile weiß ich auch, dass Krems keine Diskothek mehr braucht und die Zeit der Großraumdiskos einfach vorbei ist. Die junge Fortgeh-Generation will einfach kleinere Lokale“, erklärt Schütz, der mittlerweile nicht mehr im Nachtgewerbe tätig ist.

Auch Cinemaplexx-Eigentümer Peter Hauswirth sieht die Situation ähnlich, von aller Schuld freisprechen möchte er die gescheiterten Diskobetreiber aber nicht. „Natürlich ist es auch an ihnen gelegen. Was dann aber noch dazugekommen ist, sind verschärfte gesetzliche Auflagen und Erleichterungen für Gegenveranstaltungen wie Vereinsfeste. Es gibt aber auch Studien, die festgestellt haben, dass die 16- bis 18-Jährigen einfach weniger fortgehen,“ kann sich Hauswirth einen regulären Diskobetrieb derzeit nicht vorstellen.

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