Erstellt am 18. Mai 2016, 05:44

von Karl Braun

Flüchtlingshilfe in Idomeni. Der Gföhler Georg Jachan reiste vollgepackt mit Spenden

Der Syrer Nizar Joha (links) war in seiner Heimat Journalist und besitzt bereits sehr gute Deutschkenntnisse. Er ist als „Native Speaker“ eine große Unterstützung für Georg Jachan (rechts), der ihn immer dann anruft, wenn sein Arabisch nicht ausreicht. Nizar besitzt bereits Asylstatus und befindet sich derzeit auf Arbeitssuche.  |  NOEN, Karl Braun

"Ich wollte mir vor einem Jahr selbst ein Bild von der Flüchtlingssituation an der Grenze bei Nickelsdorf machen", erzählt Georg Jachan über seinen Einstieg zum engagierten Flüchtlingshelfer. „Die damals vorgefundene, für mich dramatische Situation, hat mich dazu veranlasst, selbst die Initiative zu ergreifen und den Kriegsflüchtlingen mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften zu helfen.“

Die Bilder gingen dem weitgereisten Weltbürger nicht mehr aus dem Kopf. Spontan organisierte er bei Märkten Lebensmittel und führte selbst Transporte durch. Zwei solcher Hilfsgütertransporte gingen zur Balkanroute an die bosnische Grenze. „Damals wurde ich vom Roten Kreuz mit mehreren Fahrzeugen und einem Anhänger unterstützt“, so Jachan, der sich auch als Reptilienexperte einen Namen gemacht hat. „Ganz großartig war dabei die Unterstützung der Pfarren Gföhl und Egelsee, die ihre Pfarrangehörigen zum Spenden eingeladen hatten.“

Im Jänner flog er auf eigene Kosten nach Lesbos, um dort NGOs bei ihrer Arbeit zu helfen. Jüngste Aktivität war ein Transport Anfang Mai ins griechische Flüchtlingscamp Idomeni, den er mit seinem eigenen Pkw und unterstützt von seinem Schwager Florian Seidl durchführte. „Es war eine abenteuerliche Fahrt, bei der wir besonders an der mazedonischen Grenze größere Probleme hatten“, so Jachan.

 Kommunikation und Sprachkenntnisse wichtig

Im Grenzort Idomeni angekommen, galt es zunächst einmal, die mitgebrachten Hilfsgüter zu verteilen. Dann wurden vor Ort in dortigen Geschäften Lebensmittel, vor allem Babynahrung, im Wert von rund 4.000 Euro eingekauft und an die in Zelten lebenden Menschen verteilt.

Den Einkauf in Griechenland streckte Jachan zunächst aus eigener Tasche vor. Wieder in Gföhl, wurden die beim jüngsten Idomeni-Besuch getätigten Ausgaben, für die es Belege gibt, mit den von Pfarre Gföhl und Privatpersonen gesammelten Spenden verrechnet.

Bei seiner Tätigkeit sind Jachan auch seine Arabisch-Kenntnisse zugutegekommen: Vor mehr als 20 Jahren verdingte er sich als Personenschützer in Ägypten und war als solcher für die saudi-arabische Königsfamilie tätig. Seine Erfahrung: „Das Wichtigste in solchen Situationen sind Kommunikation und Sprachkenntnisse, wodurch ich einige heikle Situationen entschärfen konnte.“

Bisher 16 Tonnen Waren für Hilfesuchende

Dabei hilft ihm seit Anfang des Jahres der Syrer Nizar Joha, der seit eineinhalb Jahren in der Gegend lebt, in seiner Heimat Journalist war und bereits sehr gute Deutschkenntnis aufweist. „Nizar ist als ,Native Speaker‘ eine wirklich große Unterstützung – ihn rufe ich an, wenn mein Arabisch nicht ausreicht.“

Bisher hat Jachan rund 16 Tonnen Waren (allein für Idomeni Waren im Wert von 10.000 Euro) für die Hilfesuchenden organisiert und transportiert. „Wenn ich in Idomeni kleine Kinder sehe, Rollstühle im Schlamm und Mütter mit ihren Kindern, bedeutet das für mich Ansporn für eine weitere Hilfsaktion.“

Jachans Dank gilt allen, die Mitgefühl zeigen und bis dato geholfen haben. Sein Engagement ist nicht zuletzt durch Facebook weithin bekannt. Manche meinen es gut und stellen Säcke mit Wäsche vor seine Haustüre, was nicht zielführend ist. Jachan: „Ich bitte alle Spender von Sachen, sich zuvor mit mir in Verbindung zu setzen. Für die Flüchtlingshilfe bin ich rund um die Uhr unter der Nummer 0699/17809529 erreichbar.“