Erstellt am 24. Mai 2016, 07:48

von Karl Pröglhöf, Petra Vock und Thomas Werth

Hofer im Bezirk vorne, Van der Bellen in der Stadt Krems. Norbert Hofer ist auch bei der Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten in Stadt und Bezirk Krems in Summe der Gewinner.

Alexander Van der Bellen  |  NOEN, HERBERT NEUBAUER (APA)
Allerdings nicht so klar wie vor vier Wochen. Damals hatte ÖVP-Kandidat Andreas Khol nur in Maria Laach die Nase knapp vorn, in allen anderen Gemeinden holte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer die Mehrheit.

Jetzt liegt Van der Bellen in Dürnstein, Gedersdorf, Rohrendorf, Rossatz-Arnsdorf, Weißenkirchen und Krems (meistens knapp)  voran.

In Mautern nur 5 Stimmen Unterschied

Umgekehrt fällt auf, dass  Hofer in den traditionell schwarzen, ländlichen  Hochburgen wie Krumau, Lichtenau, Rastenfeld und Weinzierl mehr als 70 Prozent der Stimmen  für sich verbuchen konnte.

Besonders spannend verlief das Rennen in Mautern, wo Hofer fünf Stimmen Vorsprung auf Van der Bellen hat.

Van der Bellen siegt in Stadt Krems

Nach Auszählung der Wahlkarten brachte die Stichwahl folgendes endgültiges Ergebnis für die Stadt Krems: Alexander van der Bellen kommt auf 7111 Stimmen (53,099 Prozent), Norbert Hofer (FPÖ) erhielt 6281 Stimmen (46,901Prozent).

Die Wahlbeteiligung lag bei 76,04 Prozent (erster Wahlgang; 72,69 Prozent, 2010: 57,07 Prozent). Wahlberechigt waren 18.305 Kremserinnnen und Kremser, 13.919 nahmen an der Wahl teil, von ihnen wählten 13.392 gültig.

Hofer verdankt Vorsprung den Gemeinden

In absoluten Zahlen lautet der Sieger bei der Präsidentschaftsstichwahl in der Region Krems Norbert Hofer. Der FP-Kandidat erhielt insgesamt 23.265 Stimmen, Alexander Van der Bellen 19.671 (ohne Wahlkarten – das Bundesergebnis wurde erst nach Redaktionsschluss bekannt gegeben). Zu verdanken hat Hofer den Vorsprung vor allem den Gemeinden im Bezirk. Dort wählten ihn 56,3 Prozent.

Weitaus knapper war das Ergebnis in der Stadt. Dort siegte Van der Bellen mit 51,6 Prozent. Zum Vergleich: Beim ersten Wahlgang im April lag Hofer in der Wachaumetropole noch 12,9 Prozent vor „VdB“.

„Diese Wahl ist der beste Beweis dafür, dass es auf jede Stimme ankommen kann“, spricht Sandra Mayer von den Grünen das knappe Ergebnis auf Bundesebene an. Mayer ist vor allem mit dem Ergebnis in Krems zufrieden: „Weil wir Grüne dort nicht allzu stark vertreten sind.“

Sie führt das Krems-Ergebnis nicht zuletzt auf die Unterstützung der SPÖ zurück, die auch Wahlständer zur Verfügung gestellt haben. „Ohne den Zusammenschluss hätten wird das Ergebnis wohl nicht geschafft.“
„Kopf-an-Kopf-Rennen nicht erwartet“

"Kopf-an-Kopf-Rennen nicht erwartet"

FPÖ-Bezirksobmann Walter Rosenkranz zeigte sich überrascht über das knappe Bundesergebnis: „Ein solches Kopf-an-Kopf-Rennen habe ich eigentlich nicht erwartet. Es hat einige Umfragen gegeben, wo Norbert Hofer klarer vorne gelegen ist.“

Das Ergebnis im Kremser Bezirk sieht Rosenkranz freilich erfreuter: „Es hat mich nicht überrascht, dass es besser als der Landesdurchschnitt ist. Schon im ersten Wahlgang haben wir gesehen, dass es gerade im Waldviertel sehr viele Hofer-Stimmen und sehr viele Khol-Stimmen gab.“

Mit dem Ausgang in der Stadt ist er nicht gänzlich unzufrieden: „Wenn man sich die einzelnen Sprengelergebnisse anschaut, dann geht das genauso auseinander wie in jedem Ballungszentrum.“

"Trennung zwischen ländlichem und städischem Bereich"

„Positiv überrascht“ zeigt sich vom österreichweit knappen Wahlergebnis Bürgermeister und SP-Bezirksvorsitzender Reinhard Resch: „Ich habe wie viele andere vermutet, dass Norbert Hofer mit zumindest 15 Prozent Vorsprung gewinnt.“

Zufrieden zeigt sich Resch mit dem Ausgang in Krems: „Wenn man die politische Landkarte anschaut, bin ich froh, dass es ein paar grüne Punkte gibt und Krems dazugehört.“ Das Bezirksergebnis ist wenig überraschend für ihn: „Man sieht die Trennung zwischen ländlichem und städtischem Bereich.“

VP-Bezirksparteiobmann-Stellvertreter Roman Janacek hat gedacht, dass das Ergebnis im Bezirk deutlich in Richtung Hofer gehen wird: „Tendenziell habe ich schon gemerkt, dass die ÖVP-Wähler eher zu Hofer tendieren.“ Viele Stimmen habe Hofer aus Protest bekommen. Janacek: „Ich habe immer betont: Wenn ich einen Protest anbringen will, dann gehe ich hin und wähle weiß. Das war für viele aber keine Alternative.“