Erstellt am 26. April 2016, 05:04

von Karl Pröglhöf

Hofer klarer Sieger in der Region Krems. Der FP-Kandidat ist deutlich voran. Van der Bellen in Stadt Zweiter, Khol im Bezirk.

SP-Bezirksvorsitzender Reinhard Resch, Herta Leutl und Bezirksgeschäftsführer Werner Stöberl (von links) sind enttäuscht vom Ausgang der Präsidentenwahl. VP-Bezirksgeschäftsführer Raimund Pichler und Eva Schachinger beobachteten in der Bezirkszentrale die Wahlergebnisse.  |  NOEN, Fotos: B. Lechner
Die Bundespräsidentenwahl hat auch im Bezirk einen klaren Sieger hervorgebracht: Norbert Hofer (FP) hat in der Stadt 34,4 Prozent, im Bezirk 36,2 Prozent der Stimmen erhalten. „Ich war zwar guten Mutes, dass er in die Stichwahl kommt, aber dass es so deutlich ausfällt, damit habe ich nicht gerechnet“, freut sich FP-Bezirksobmann Walter Rosenkranz. Auch das Kremser Ergebnis hat er in dieser Form nicht erwartet: „Wir sind zwar oft mit dem Bundesschnitt ident, aber dass fast im ganzen Bezirk Norbert Hofer an erster Stelle liegt, hat mich überrascht.“

Spannender gestaltete sich der Kampf um Platz zwei. In der Stadt Krems konnte sich Alexander Van der Bellen mit 21,5 Prozent vor Irmgard Griss (18,7 Prozent) durchsetzen, im Bezirk belegte VP-Kandidat Andreas Khol mit 18 Prozent den zweiten Platz vor Griss (17,2 Prozent). Van der Bellen kam im Bezirk lediglich auf 15,3 Prozent.

„Wenn wir so weiter machen wie bisher, ist
die nächste Nationalratswahl nicht zu gewinnen."
Reinhard Resch

Enttäuschend – wenngleich im Bundestrend liegend – verlief die Wahl für die Sozialdemokraten. Rudolf Hundstorfer holte im Bezirk 10,1 Prozent, in der Stadt konnte er mit 12,3 Prozent immerhin vor Khol landen (10,1 Prozent). Richard Lugner scheiterte auch in der Region deutlich.

„Das Ergebnis ist für die großen Parteien sehr enttäuschend“, erklärt SP-Bezirksvorsitzender und Kremser Bürgermeister Reinhard Resch. Für ihn ist klar, dass es Konsequenzen innerhalb der SP geben muss: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, ist die nächste Nationalratswahl nicht zu gewinnen.“ Hundstorfer macht er aber keinen Vorwurf: „Es war ein sachlicher, seriöser Wahlkampf. Wir müssen uns nun genau ansehen und täglich daran arbeiten, wie wir Menschen erreichen.“ Wen Resch bei der Stichwahl unterstützt, sei kein Geheimnis: „Ich werde Van der Bellen wählen.“

"Protest gegen die Koalition“

Auch VP-Bezirkspartei-Obmannstellvertreter Roman Janacek ist vom Bundesergebnis überrascht. Er betont aber: „Im Bezirk wäre Khol in die Stichwahl gekommen.“ Hofer habe als jüngerer Kandidat vor allem bei der Jugend punkten können. „Es war ein Persönlichkeitswahlkampf mit einem Protest gegen die Koalition“, erklärt er.

Dass diese nun an dem Ergebnis zerbreche, hofft Janacek nicht: „Wir müssen analysieren, wie wir unsere Arbeit – es gibt ja auch viel Positives – besser verkaufen, sodass es auch die Wähler honorieren.“ Janacek selbst könne sich ein blaues Staatsoberhaupt vorstellen: „Problematisch wird es aber, wenn es wieder diplomatische Konsequenzen nach sich zieht.“

"Bei der Stichwahl ist alles möglich"

Für Grünen-Obfrau Sandra Mayer war erschreckend, dass Hofer doch so deutlich gewonnen hat. „Ich hätte auch gedacht, dass der Abstand von Van der Bellen zu Frau Griss größer ist.“ Was den Kremser Bezirk betrifft, ist sie mit dem Ergebnis zufrieden. „Van der Bellen ist in Rohrendorf, in Langenlois und in Krems auf Platz zwei, und somit ist das okay.“

Besonders gefreut hat sie sich, dass Van der Bellen in Krems sogar über 20 Prozent erreicht hat. Bei der Stichwahl sei nun alles möglich, wie Mayer betont: „Es sind viele Wähler von SP, VP und Griss zum Abholen. Die Frage ist, ob es uns wirklich gelingt.“

Dass die Wahlbeteiligung sehr hoch sein würde, hat bereits die NÖN-Online-Umfrage angedeutet. 82 Prozent wurden es zwar nicht, mit 74 Prozent lag der Bezirk deutlich über dem Bundesschnitt (Stadt: 65,5 Prozent).

Maria Laach ist die letzte schwarze Bastion

Bei der Bundespräsidentenwahl wurden Stadt und Bezirk Krems durchgehend blau eingefärbt – nur Maria Laach hielt wie das gallische Dorf von Asterix und Obelix dem Ansturm stand. Allerdings knapp: ÖVP-Kandidat Andreas Khol konnte sich mit einem Vorsprung von lediglich 6 Stimmen (32,1 Prozent) gegenüber Norbert Hofer (FPÖ) behaupten.

Einige Schmankerl aus der Ergebnistabelle:

  • SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer kam in Aggsbach mit 26 Prozent auf sein bestes Resultat. Das gilt dort auch für Richard Lugner mit 5,2 Prozent. Hundstorfer stürzte in Maria Laach total ab (5,5 Prozent), Lugner in Dürnstein (1,7 Prozent).

  • Die Werte von Irmgard Griss pendeln zwischen 23,3 Prozent in Dürnstein und mageren 11,1 Prozent in Weinzierl/Wald.

  • Apropos Weinzierl: Dort erreichte Hofer mit 45,3 Prozent seinen Höchstwert, vergleichsweise bescheiden sind 27,7 Prozent in Dürnstein.

  • Mit 10,4 Prozent fuhr Andreas Khol in der Stadt Krems das schlechteste Ergebnis ein. Zum Vergleich: In den 30 Bezirksgemeinden kam er in Summe auf 18 Prozent.

  • Alexander Van der Bellen, der es in die Stichwahl am 22. Mai geschafft hat, blieb mit 15,3 Prozent im Bezirk hinter Griss und Khol, holte in der Stadt und in Droß aber jeweils 21,5 Prozent. Negativer Ausreißer: Rastenfeld mit 7,9 Prozent.

  • Die Wahlbeteiligung war deutlich höher als 2010: in Krems kletterte sie um 8,4 auf 65,5 Prozent, im Land-Bezirk sogar um mehr als 11 Prozent auf 74.