Erstellt am 31. Mai 2016, 04:44

von Jutta Hahslinger

"Ich wollte nur mehr heim zu der Mama!". Zweitägiger Syrienaufenthalt bei militanter Gruppe und Foto in Kampfpose mit Gewehr werden 29-Jährigem zum Verhängnis.

Verteidiger Wolfgang Blaschitz (links) mit dem Angeklagten, der die teilbedingte - noch nicht rechtskräftige - Strafe akzeptierte.  |  NOEN, Foto: Hahslinger

"Was ist das für ein fanatischer Terrorist und Gotteskrieger, der mit einem Zehn-Tages-Ticket in den Dschihad zieht!“ Gar keiner in den Augen von Verteidiger Wolfgang Blaschitz, der auf die dünne Beweislage gegen seinen Mandanten, den in Krems wohnhaften Tschetschenen Soslan D. (29), pocht und auf Freispruch plädiert.

Ein Syrienaufenthalt bei einer radikalen Gruppierung und ein Foto, das den 29-Jährigen bewaffnet mit einer AK-47 in Kampfpose zeigt, werden dem Familienvater, der im Juni sein zweites Kind erwartet, zum Verhängnis. Während S. davon spricht, nur aus humanitären Gründen, zum Helfen, nach Syrien gereist zu sein, sieht die Staatsanwaltschaft das Verbrechen der terroristischen Vereinigung: Getragen von einer radikal-religiösen Einstellung, sei S. im Juli 2013 nach Syrien gereist, um sich an den Al-Kaida-Ableger „Jabat Al Nusra“ anzuschließen, dessen Ziel die Begehung terroristischer Straftaten ist.

„Das Wichtigste war mir mein Leben"

„Ich wollte nur helfen, nie kämpfen“, beteuert S., der ungewollt bei einer bewaffneten Truppe gelandet sein will. Dort habe er dann selbst Todesängste ausgestanden: „Das Wichtigste war mir mein Leben. Ich wollte nur mehr heim zur Mama“, gesteht er ein. Das Foto in Kampfpose erklärt D. mit Angst: „Ich habe nicht widersprochen, als man mir in Kampfmontur zum Posieren ein Maschinengewehr in die Hand drückte. Ich befürchtete Konsequenzen.“

Von „agitativem Sendungsbewusstsein“ und „Dschihad-Tourismus“ könne keine Rede sein, sieht Verteidiger Wolfgang Blaschitz nach dem Beweisverfahren keine Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Anders sieht es der Schöffensenat. Er befindet S. für schuldig und verhängt über ihn eine teilbedingte Freiheitsstrafe: 18 Monate, davon ein Monat unbedingt.