Erstellt am 28. September 2015, 08:30

von Thomas Werth

"In Stein herrscht Anarchie". Unzufriedenheit über Verkehrssituation in Stein. Forderung: Tempo-30-Limit in der Donaulände.

Zu viele Verkehrsteilnehmer auf zu wenig Raum - vor allem in der Steiner Donaulände ist die Situation prekär.  |  NOEN, Johann Lechner

„Stein ist seit 1450 zugebaut, ist sukzessive gewachsen. Die Infrastruktur ist allerdings nicht mit diesem Tempo mitgewachsen. Damit ist die Bevölkerung ebenso überfordert wie die Politik“, stellt Kurt Lenitz klar. Er hat daher im Namen der Radlobby zu einer Podiumsdiskussion im Salzstadl geladen. Die Ziele: Probleme ebenso wie Chancen aufzuzeigen. Dazu wurden Diskutanten unterschiedlicher Bereiche geladen: „Ur-Steinerin“ Maria Kermer (bekannt auch durch ihren Protest gegen die Schiffsanlegestelle), Tania Berger von der Donau-Uni, Raumplaner Matthias Zawichowski und Klaus Otepka von der Radlobby. Moderiert wurde die Veranstaltung von Klimabündnis-Österreich-Chef Peter Molnar, selbst Kremser. Er bringt die Platz-Problematik auf den Punkt: „Stein hat jährlich rund eine Million Besucher, seien es Studenten, Radfahrer oder Kultur-Interessierte.“

Die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren sehen die Teilnehmer großteils negativ. „Man traut sich kaum mit dem Auto einen größeren Einkauf zu erledigen, weil man weiß, dass man danach keinen Parkplatz mehr bekommen wird. Und bleibt man kurz zum Ausladen stehen, wird man sofort angehupt. Das war früher nicht so“, ärgert sich etwa Kermer.

„Stein ist etwa so groß wie die Shopping City Süd.
Und dort geht ja auch jeder zu Fuß.“
Klaus Otepka, Sprecher der Radlobby Krems

Zawichowski findet vor allem die räumliche Barriere durch die B 3 bedauerlich. „Der Transitverkehr müsste ans rechte Donauufer verlegt werden“, erklärt er. Auch der Doppel-Kreisverkehr stört ihn: „Das ist ein Flaschenhals, der eine enorme Verlangsamung des Verkehrs bewirkt.“ Seiner Meinung nach wäre ein großer Kreisverkehr die bessere Lösung.

Für Otepka ist klar, dass die Politik nun nicht in einer Periode das schaffen könne, „was in den vergangenen 40 Jahren versäumt wurde“. Er betont aber den falschen Stellenwert des Autos. „Audi steckt in die Werbung eines Modells mehr Geld als das Budget der Stadt Krems.“ Und er vergleicht Stein mit der Shopping City Süd: „Sie sind circa gleich groß, und in der SCS geht ja auch jeder zu Fuß.“

Berger wiederum kritisiert vor allem die Situation vor der Volksschule. „Eltern sollten die Kinder zu Fuß begleiten, dann wäre die dortige Pkw-Situation deutlich entschärft.“

„Es kommt gute Lösung, vor allem für die B 3“

Auch Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel – von einem Gast angesprochen – brachte sich in die Diskussion ein. „Man hat jahrelang keinen Plan gehabt, was man will, es fehlten Verkehrskonzepte“, erklärt er. Scheichel sprach aber davon, dass eine „gute Lösung kommen wird, vor allem für die B 3“. Die Info, wie diese – auch nur annähernd – aussehen könnte, blieb er aber schuldig. Zudem sprach der Verkehrsstadtrat auch ausführlich von der Stadtbahn. „Sie könnte wieder bei der Donau-Uni halten und viele Studenten auf die Bahn bringen. Auch das Stadion, Krankenhaus und Bühl-Center wären für Stationen geeignet.“

Als Sofortmaßnahme hätte Kermer hingegen schon etwas Konkretes: „Die Donaulände mit einem Tempo-30-Limit verkehrsberuhigen!“ Während diese Forderung auf große Zustimmung bei den Besuchern stieß, lieferte Kermer weitere Ideen: „Die Donaulände könnte nur für Bewohner, nicht mal für Anrainer, mit dem Auto genutzt werden – und das Parken müsste deutlich verteuert werden.“ Ein Besucher schlug zudem vor, die Donaulände als Einbahn zu führen – großer Applaus war die Folge.

Allerdings wurden nicht nur die Autofahrer kritisiert. Zahlreiche Gäste meldeten sich zu Wort und bemängelten, dass sie nicht vor die Haustüre gehen könnten, ohne von Radfahrern gefährdet zu werden. „200.000 Radfahrer und kein Konzept – da herrscht in Stein Anarchie“, fasst Peter Molnar die Situation zusammen.

Die Veranstaltung soll Auftakt eines monatlichen Stammtisches sein. „Wir wollen die Interessen der Steiner in die öffentliche Diskussion einbringen“, erklärt Lenitz.


ZITIERT

„Wenn der Verkehr in Stein noch zunimmt, na dann gute Nacht.“
Maria Kermer

„Der ruhende Verkehr in der Donaulände stört mich, dort würde ich ansetzen.“
Matthias Zawichowski

„Es ist eine Politik mit Standfestigkeit gefordert. Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass der Tullner Hauptplatz eine Begegnungszone wird?“
Derselbe

„Radfahrer sind ja keine besseren Menschen, sie verhalten sich so wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch.“
Klaus Otepka

„Das gibt es nirgendwo, dass eine Haltestelle aufgelassen wird, wo 2.000 Leute aussteigen.“
Peter Molnar über die Bahnstation bei der Donau-Uni