Erstellt am 31. März 2016, 05:14

von Gertrude Schopf

Kellergassenfeste: Es werden immer weniger. Nicht nur Registrierkassa und Belegpflicht, auch andere Hürden dämpfen die Motivation der Winzer, sich bei einem Fest zu engagieren.

In der Thallerner Kellergasse geht auch heuer ein Festl über die Bühne. Im Bild die Eröffnung im Vorjahr mit Kellergassen-Komitee-Obfrau Astrid Gusenbauer-Wagensommerer, Stellvertreter Heinz Altenriederer und Trachtenmädel Magdalena Brandstetter.  |  NOEN, Lechner

Dass die Registrierkasse bei Kellergassenfesten nicht gesetzlich notwendig sei, wurde von der Wirtschaftskammer verkündet – eine wirkliche Entlastung für diese Feste bedeutet dies aber nicht. Denn: Die Belegpflicht besteht natürlich, wie Herbert Aumüller, Leiter der Wirtschaftskammer Krems, bestätigt. Wer sich also ein Achterl an einem Stand beim Fest genehmigt, dem muss der Winzer einen Rechnungszettel geben und die „Belegdurchschrift bei Rückkehr an die Betriebsstätte ohne unnötigen Aufschub nachträglich erfassen“ – so steht es im jüngsten Amtsblatt.

Auf diese Weise werden wohl die Kellergassenfest-Absagen, die heuer doch recht zahlreich sind, nicht weniger werden. In der Großgemeinde Langenlois beispielsweise wird heuer nur das Fest am Sauberg Ende August durchgeführt. Das 27. Kellerfest Schiltern wird laut Weinbauvereinsobmann Franz Kolm nicht stattfinden, in Zöbing wird (aufgrund des Zweijahresrhythmus) ebenfalls pausiert – ob im kommenden Jahr die Keller am Heiligenstein wieder aufsperren, ist allerdings eher fraglich.

Und auch in Mittelberg haben sich die Winzer entschieden, kein Fest zu veranstalten. Damit ist von ursprünglich fünf Festen in der Großgemeinde (es gab auch mal ein Gobelsburger Kellergassenfest) nur mehr ein einziges übrig ...

Stolperstein: Verbot der Nachbarschaftshilfe

Dabei ist es nicht nur die Registrierkasse, die alle zum Aufgeben veranlasst. „Es ist jedes Jahr ein weiterer Stolperstein dazugekommen“, verweist Organisator Gerhard Hauer in Mittelberg auf die strengen Bedingungen der Anmeldung der Helfer – Nachbarschaftshilfe wird nicht mehr gestattet – und auf die Vorschriften bezüglich warmer und kalter Speisen. „Die Motivation ist nicht mehr da. Es werden immer weniger, die mitmachen“, kennt auch Karin Steinschaden in Lengenfeld das Problem – auch dieses Traditionsfest wird heuer nicht stattfinden.

Das älteste Kellergassenfest in der Region wird es jedenfalls geben: „Wir feiern heuer das 35-Jahr-Jubiläum“, kündigt Organisator Jürgen Schiehl das Fest in Etsdorf vom 15. bis 17. Juli an. Und auch die Rohrendorfer haben sich entschlossen, Anfang September aufzusperren, „auch wenn nicht alle 40 wie bisher mitmachen“, so Bürgermeister Gerhard Tastl. Bereits im Mai laden die Winzer der Kellergasse Rehberg zum Fest, das Steiner Weinfestl gibt es auch heuer. Voraussichtlich sperren auch wieder die Kellergassen-Winzer in Stratzing auf („Aus jetziger Sicht ja“, so Organisator Franz Seidl).

"Es schaut gut aus" in Höbenbach

In Höbenbach wird noch abgestimmt, aber „es schaut gut aus“, informiert Heinz Fink, Obmann des Kultur- und Kellergassenvereins. In Thallern werden an die zehn Winzer in der Kellergasse ihre Kellertüren offen haben. Und auch das kleine feine Festl in der Kellergasse Unterloiben wird es wieder geben, „aber wahrscheinlich ohne warme Speisen“, so Organisator Helmuth Weiss.

Natürlich gibt es trotz all der Absagen auch Stimmen, die eine Beibehaltung dieser Tradition einfordern. „Kellergassenfeste sind in unserer Region ein Kulturgut. Abgesagt ist so etwas schnell, eine Wiedereinführung könnte schwierig werden“, mahnt Erich Kroneder, Weinbauvereinsobmann in Langenlois. Und er verweist auch auf die Auswirkungen: Die Gastro-Betriebe und vor allem Zimmervermieter sind an den Festwochenenden üblicherweise ausgebucht, die spüren die Absagen.

In der Thallerner Kellergasse geht auch heuer ein Festl über die Bühne. Im Bild die Eröffnung im Vorjahr mit Kellergassen-Komitee-Obfrau Astrid Gusenbauer-Wagensommerer, Stellvertreter Heinz Altenriederer und Trachtenmädel Magdalena Brandstetter. Lechner