Erstellt am 19. Januar 2016, 06:03

von Wolfgang Wallner

Athlet bleibt auf der Strecke. Wolfgang Wallner über den Wechsel als Drahtseilakt.

Transferstreitigkeiten gibt‘s nicht nur im Fußball, sondern auch in der Leichtathletik. Und bei solchen Zwisten bleiben da wie dort oft die Aktiven auf der Strecke. Wie 400-Meter-Spezialist Mario Gebhardt. Weil ihn sein Stammklub nicht zum ULV Krems ziehen lässt, darf er sich trotz Bestzeit nicht NÖ-Hallenlandesmeister nennen. Vereinslose Athleten können nämlich nur außer Konkurrenz starten.

Wie kommt ein Läufer aus dem Süden Niederösterreichs nach Krems? Dafür reicht ein Name: Edi Holzer. Der Kremser Leichtathletik-Guru hat das Vertrauen des jungen Athleten (u. a. Platz zwei bei den European Games in Baku) gewonnen, coacht Gebhardt seit wenigen Monaten. Gegen den Wechsel zum ULV legt sich nun sein Stammklub quer. Die verlangte Ausbildungsentschädigung würde wohl keinen Fußballfunktionär schocken, liegt aber gut 50 Prozent über jener, die seinerzeit für Beate Schrott bezahlt worden ist. In der Leichtathletik sind gut 3.000 Euro aber viel „Holz“. Und könnten zum Stolperstein für Gebhardt werden.

Die Höhe der Entschädigung festzulegen ist ein Drahtseilakt. Schließlich soll jener Klub, der den Sportler erst ausgebildet hat, nicht leer ausgehen. Andererseits: Zur Fessel für Talente darf das liebe Geld nie werden.