Erstellt am 01. April 2016, 04:14

von Thomas Werth

Krems im Panini-Fieber. Seit der Vorwoche sind die beliebten Fußball-Pickerl zur Europameisterschaft erhältlich. Aber: Trafikanten macht die immer größer werdende Konkurrenz zu schaffen.

Marlene Schmid, Trafikant Andreas Amsüss, Kunde Dieter Marangoni Foto: Johann Lechner  |  NOEN, J. Lechner

Sie sind nur wenige Quadratzentimeter groß, üben aber auch auf unzählige Kremser eine riesige Faszination aus. Die Rede ist von den Panini-Stickern, die seit Beginn der Vorwoche, wie immer auf das bevorstehende Fußball-Großereignis – dieses Mal die Europameisterschaft in Frankreich – einstimmen sollen. 680 unterschiedliche Pickerl müssen gesammelt werden, um das Album voll zu bekommen.

„Mir fehlen nur mehr 15“, erklärt Gastronom und Rugby- Union-Club-Krems-Präsident Martin Mann. Der 37-Jährige sammelt seit 2006 die Fußballer-Portraits. „Ich habe als Kind nie gesammelt, aber dann mal mit Freunden mitgemacht. Seitdem bin ich immer mit dabei“, schildert er. Mann schätzt am Sammeln, dass er immer wieder mit unterschiedlichen Leuten zusammenkommt: „Ich treffe manche tatsächlich nur alle zwei Jahre beim Tauschen von Stickern.“

Zudem hat er mit Freunden eine Facebook-Gruppe gegründet und freut sich auf die Teilnahme an Tauschbörsen. „Dort lernt man immer lustige Personen kennen.“ Kurios: Mann ist selbst gar kein richtiger Fußball-Fan. „Ich kenne viele der Fußballer gar nicht. Wenn mir jemand fehlt, merke ich mir eher die Sticker-Nummer als den Spielernamen.“

Seit 30 Jahren Sammler

Seit 30 Jahren leidenschaftlicher Sammler ist auch der Kremser Gewichtheber Ewald Fischer. „Mein erstes Panini-Album haben damals noch meine Eltern für mich beklebt.“ Seitdem ist Fischer alle zwei Jahre wieder mit von der Partie. „Irgendwann hat es Kult-Status erreicht.“ Kein Wunder, dass auch seine beiden Kinder (15, 17) der Sammel-Leidenschaft verfallen sind. „Früher hatte jeder eines, mittlerweile gibt es aber nur mehr ein gemeinsames Album“, erklärt Fischer.

Für die Trafiken hat das Geschäft mit den Stickern solide begonnen – der große Boom, der auch durch die Teilnahme Österreichs an der EM erwartet wurde, sei aber bislang noch ausgeblieben. „Es ist besser als bei der WM 2014, aber doch noch unter den Erwartungen“, erklärt Klaus Schöndorfer. Auch Trafikanten-Kollege Andreas Amsüss spricht von einem eher schleppenden Start.

Dies hat für die beiden vor allem zwei Gründe. Einerseits fiel der Start in die Osterferien, womit die wichtige Zielgruppe der Schüler noch großteils ausgeblieben ist. Andererseits wird die Konkurrenz immer größer, mittlerweile werden die Sticker auch schon bei Diskontern verkauft. „Das Pickerlgeschäft war für uns Trafikanten sicher früher besser, durch die vielen Verkaufsstellen bleibt für alle weniger vom Kuchen“, erklärt Schöndorfer.

Über Panini

Das Unternehmen wurde von den Brüdern Panini 1961 in Modena (Italien) gegründet. Im selben Jahr erschien die erste Stickerkollektion „Calciatori“ zur italienischen Serie A. 1970 gab es die erste Kollektion zu einer WM, 1974 auch erstmals mit deutschen Texten. Nach mehreren Verkäufen erwarb der Industrielle Vittorio Merloni 1999 die Panini Group. Mit einem Umsatz von 751 Millionen Euro (2014) ist Panini der weltweit größte Verleger von Sammelprodukten, beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter und und veröffentlicht auch Bücher, Comics und Magazine.