Erstellt am 12. Januar 2016, 03:58

von Thomas Werth

Mayer von eigener Partei verleumdet?. Kremser Mandatar Josef Mayer behauptet, die SPÖ möchte ihn mit Verbreitung von Unwahrheiten aus dem Gemeinderat bugsieren. Die Partei streitet dies vehement ab.

Josef Mayer behauptet, die SPÖ möchte ihn aus dem Gemeinderat »boxen«. Fotos: Archiv  |  NOEN, Archiv
Versucht die Kremser SPÖ Kapital aus einem innerfamiliären Konflikt zu schlagen? Ja, behauptet zumindest Gemeinderat Josef Mayer auf seiner Facebook-Seite.

In einem langen, öffentlich einsehbaren Posting geht er auf einen Streit (samt privater Vorgeschichte) mit seiner Frau ein, der in einem Betretungsverbot geendet habe. Die Rede ist von Bedrohung, die Mayer aber abstreitet. „An der falschen Verbreitung, ich habe meine Frau bedroht, gibt es auch eine politische Dimension“, ist Mayer überzeugt.

Ein Blick zurück: Vor etwa zwei Monaten hat Josef Mayer nach mehrfachen Auffassungsunterschieden seinen Klubaustritt bekannt gegeben, sitzt seitdem nicht mehr als SP-, sondern als freier Mandatar im Gemeinderat.

Er habe aber die laut Mayer intensiven Überzeugungsversuche des SP-Klubs, sein Mandat zurückzulegen, abgelehnt. „Und nun möchte die Partei mit dieser Geschichte Druck ausüben, damit ich doch den Gemeinderat verlasse“, erklärt Mayer im NÖN-Gespräch.

„Ich habe gar kein Interesse, in den
Gemeinderat einzuziehen.“
Josef Wittmann, SP-Vorsitzender
in Egelsee.

Für den 59-Jährigen ist auch klar, wer ihm nachfolgen soll – und womit der private mit dem politischen Teil verschmilzt: Josef Wittmann, Vorsitzender der SPÖ Egelsee (jener Stadtteil, den auch Mayer vertritt) – und Bruder seiner Ehefrau. „Es hat schon längst mit ihm Gespräche über meine Nachfolge gegeben“, ist Mayer überzeugt.

Auf die Vorwürfe angesprochen, fällt SP-Klubobmann Wolfgang Chaloupek (der unter anderen von Mayer als „Drahtzieher“ genannt wird) aus allen Wolken: „Das entspricht in keinster Weise der Wahrheit, ich wusste gar nichts von den privaten Problemen des Herrn Mayer“, erzählt er im NÖN-Gespräch.

Auch SP-Stadtparteivorsitzende Eva Hollerer reagiert entsetzt. Sie bestätigt zwar, dass Mayer nach dem Klubsaustritt schriftlich aufgefordert wurde, sein Mandat zurückzulegen („der Klub ist der Überzeugung, dass er durch die SPÖ zum Mandat gekommen ist“), die neuen Vorwürfe seien aber völlig aus der Luft gegriffen: „Daran ist nichts wahr!“

x  |  NOEN, Franz Weingartner - Fotograf A


Hollerer betont, dass „der SP-Klub mit der Person Josef Mayer abgeschlossen hat“, und erklärt außerdem: „Er hat ja schon in seiner SP-Zeit nicht mehr an Klubsitzungen teilgenommen. Das ist ein Vertrauensbruch gegenüber der Egelseer Bevölkerung.“

Als „größten Blödsinn“ bezeichnet auch Josef Wittmann die Vorwürfe. „Ich habe erstens seit dessen Austritt, ein knapper Dreizeiler, kein Wort mehr mit ihm gewechselt, zweitens habe ich gar kein Interesse, in den Gemeinderat einzuziehen.“

Mayers Frau war zu keiner Stellungnahme bereit.

Kurios: Mayers Posting ist zu Redaktionsschluss auf seiner Facebook-Seite verschwunden.