Krems

Erstellt am 21. Juli 2016, 02:41

von Jutta Hahslinger

Vor Gericht: Mediziner verurteilt. „Die ganze Geschichte ist für mich von vorne bis hinten erlogen“, befindet Richterin. Sie nimmt Arzt beteuerten Überfall nicht ab.

Arzt vor Gericht  |  APA (dpa)

„Der Überfall hat stattgefunden“, beteuert der Mediziner beharrlich vor Gericht. Er sei zu einem Notfall im Raum Gföhl gerufen worden und beim ausgemachten Treffpunkt mit dem Anrufer dann ausgeraubt worden. Eingeschüchtert und in Panik habe er den unbekannten Motorradlenkern sein Bargeld von 260 Euro und eine Packung mit morphinhältigen Ampullen übergeben.

Dann habe er, wie er einräumt, den Fehler begangen, den Überfall nicht gleich anzuzeigen: „Ich hatte Angst und befürchtete, dass sie mir und meiner Familie etwas antun und sich rächen, wenn ich Anzeige erstatte“, erklärt der Arzt. Er habe den Überfall mit zweijähriger Verspätung erst 2016 angezeigt. Er gesteht auch ein, falsche Angaben bei der Polizei gemacht zu haben.

„Für mich ist die Geschichte von vorne bis hinten erlogen“

Richterin Gudrun Hagen

Er will aber keine Straftat, wie angeklagt, vorgetäuscht haben. Ein Gedächtnisprotokoll, das der Arzt nach dem beteuerten Überfall auf seinem PC angefertigt haben will, soll ihn entlasten. Er legt eine CD-Rom vor, die aber nicht den gewünschten Erfolg bringt: Der Computerexperte findet auf dem Datenträger zwar keine Hinweise auf eine Fälschung, erklärt aber: „Da die Originalfestplatte nicht mehr existiert, kann der Zeitpunkt der Dateierstellung nicht festgestellt werden.“

Richterin Gudrun Hagen bringt es nach einem umfangreichen Beweisverfahren harsch auf den Punkt: „Für mich ist die Geschichte von vorne bis hinten erlogen“, und sie verurteilt den Arzt wegen Falschaussage und Vortäuschung einer Straftat zu zehn Monaten auf Bewährung. Der Mediziner meldet sofort Rechtsmittel an.