Erstellt am 01. März 2016, 04:14

von Thomas Werth

"Net auskennen, aber die Gosch'n aufreißn". Zahlreiche persönliche Diskussionen dominierten die jüngste Gemeinderatssitzung in Krems. Im Mittelpunkt standen die beiden KLS-Mandatare.

Franz Kral (KLS) lieferte sich ein Wortgefecht mit Eva Hollerer.  |  NOEN, Archiv

Was war denn da los? Sehr emotional ging es bei der jüngsten Sitzung des Kremser Gemeinderats zu, was jedoch nicht unmittelbar an den Tagesordnungspunkten selbst lag. Eva Hollerer (SP) gegen Franz Kral (KLS) sowie Erwin Krammer (VP) und Gottfried Haselmayer (SP) gegen Wolfgang Mahrer (KLS) waren die Beteiligten der Wort-Duelle.

Hollerer gegen "Rudern in der Vergangenheit"

Für Hollerer brachte bei der Diskussion über das Stadtentwicklungskonzept „Krems 2030“ ein Schwenk in die Vergangenheit von Kral das Fass offensichtlich zum Überlaufen: „Bei 2030 spüre ich Zukunft und nicht ein Rudern in der Vergangenheit. Kral findet bestimmt auch noch Geschichten aus dem Gemeinderat von vor 30 Jahren.“

Dessen Konter ließ nicht lange auf sich warten: „Warum darf man die Fehler der Vergangenheit nicht aufzeigen? Wir wollen dich ja nicht damit beleidigen, nur weil du so sensibel bist.“ Auf die Kritik Hollerers, er würde ausschließlich von der Vergangenheit reden, entgegnete Kral: „Nicht nur. Aber wenn du mich provozierst, kannst du das jede Gemeinderatssitzung haben.“

Daraufhin nahm Kral wieder auf seinem Stuhl Platz und sagte lautstark, aber nicht für alle im Gemeinderat hörbar in Richtung Hollerer: „Keine Ahnung von der Politik, aber die Gosch‘n aufreißn.“

Krammer zu Mahrer: „Sie vergiften das Klima“

Bei weiteren emotionalen Wortmeldungen stand Krals KLS-Kollege Wolfgang Mahrer im Mittelpunkt. Krammer nutzte seinen

, um auf Mahrers Vorwürfe in der Jänner-Sitzung (die NÖN berichtete) zu reagieren. „Sie verbreiten Unwahrheiten, da sind Sie bekannt dafür. Sie vergiften das Klima für die Arbeit zum Wohle der Bürger. Ich fordere Sie auf, unterlassen Sie das.“ Auch Haselmayer merkte, quasi in einem Nebensatz, an, dass ein Rücktritt Mahrers das Ende der Anschuldigungen bedeuten würde. Mahrer selbst verzichtete darauf, dies zu kommentieren.

Bürgermeister Reinhard Resch ließ den Beteiligten, bis auf einen beruhigenden Blick Richtung Parteikollegin Hollerer, freien Lauf. „Ich habe im Vormonat bei Gemeinderat Mahrer keinen Ordnungsruf gemacht und auch dieses Mal bei Stadtrat Krammer nicht. Aber es sollte nicht mehr vorkommen“, so der Stadtchef.

Gegenüber der NÖN betont er, dass emotionale und offene Debattenbeiträge in einer Gemeinderatssitzung, so diese sachbezogen und inhaltlich korrekt sind, nicht nur zulässig, sondern auch positiv zu sehen sind. „Strikt abzulehnen sind Beiträge, die persönlich diffamieren. Das hat keinen Platz im Gemeinderat. Das wird auch beim nächsten ,Allparteiengespräch‘ Thema sein“, kündigt der Bürgermeister an.