Erstellt am 30. November 2015, 08:41

von Karl Pröglhöf

Kremser Mitentwickler der größten Hubbrücke. Der gebürtige Kremser Ulrich Eder, jetzt in Mautern, war Projektleiter für ein Jahrhundertprojekt im Hafen von Rotterdam. KREMS, MAUTERN |

Botlek-Brücke im Rotterdamer Hafen  |  NOEN, A-Lanes A15

Rotterdam ist einer der wichtigsten Häfen in Europa. Dort wurde unter maßgeblicher Beteiligung eines Kremsers die Molbeck-Brücke erneuert. Wobei: „Brücke“ ist eine Untertreibung. Es handelt sich um die größte Hubbrücke der Welt – ein technisches Jahrhundertbauwerk.

Diplomingenieur Ulrich Eder, gebürtiger Kremser und nun in Mautern wohnhaft, war mit der Firma VCE (Vienna Consulting Engineers ZT GmbH) federführend mit dabei und wurde nun vom Wirtschaftsministerium mit dem Staatspreis für Ingenieur-Consulting ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der einzigartigen Realisierung des Projekts durch die geschickte Verbindung von Geotechnik, Wasserbau, konstruktivem Ingenieurbau, Verkehrs- und Transporttechnik sowie Maschinen- und Elektrotechnik.

Kurz zu den technischen Daten: Jedes der beiden Brückenfelder ist so groß wie ein Fußballfeld, 5.000 Tonnen schwer und trägt eine komplette Autobahn, eine zweispurige Bahnlinie, eine Landstraße und einen Radweg. Diese Brückenteile werden bei Bedarf innerhalb von 110 Sekunden um gut 30 Meter angehoben, um sogar hochseetaugliche Containerschiffe queren zu lassen.

NÖN: Gratulation! Wie lange hat die Planungs- und danach die Bauphase für dieses Monsterprojekt gedauert?
Eder: Die Planung hat 2009 begonnen. Die ersten Bautätigkeiten an der Fundierung haben Ende 2011 gestartet. Anlässlich des sehr großen Projektes eine sehr kurze Planungszeit. Die Brücke wurde heuer Mitte Juli in Betrieb genommen.

Was waren die speziellen Herausforderungen?
Das Projekt musste von Null an komplett entwickelt werden. Das Infrastrukturministerium der Niederlande als Auftraggeber hat eigentlich nur vorgegeben, von A nach B zu gelangen, und hat die dabei einzuhalten Kriterien textlich beschrieben. Technisch herausfordernd war, dass sämtliche Bautätigkeiten neben der bestehenden Brücke stattfinden mussten. Auch musste der Schifffahrtsverkehr immer aufrecht erhalten bleiben. Bei dieser Stelle handelt es sich um einen der Hauptzugänge zum Rotterdamer Hafen!

Ihr Aufgabenbereich dabei?
Meine persönliche Herausforderung lag darin, dass ich das Projekt von Beginn an geleitet habe — von der Systementwicklung bis zur Ausführung und Inbetriebnahme. Weiters war ich der Gesamtprojektleiter, da neben dieser Hubbrücke mehr als 50 weitere Brücken in diesem Streckenabschnitt von rund 37 Kilometern Länge neu gebaut wurden.