Erstellt am 19. Januar 2016, 04:13

von Thomas Werth

Trafikant macht gegen die Bonpflicht mobil. Belegerteilungspflicht: Trafikant Klaus Schöndorfer macht auf Facebook gegen unnötige Müllproduktion mobil.

Trafikant Klaus Schöndorfer  |  NOEN, Lechner

Er zählt derzeit wohl zu den gefragtesten und bekanntesten Trafikanten des Landes. Klaus Schöndorfer, Betreiber der Trafik bei der Mauterner Donaubrücke in Stein, war in der vergangenen Woche in vielen Zeitungen und Fernsehsendern des Landes zu sehen.

„Danke, Herr Dr. Schelling“

Seine Berühmtheit verdankt er einem Facebook-Eintrag, der über 7.500 Mal geteilt wurde und mit „Danke, Herr Dr. Schelling“ beginnt. Er kritisiert darin die Belegerteilungspflicht, die mit Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Jedes Unternehmen muss dadurch bar-zahlenden Kunden einen Kassabon aushändigen, den dieser auch bis außerhalb des Geschäftes mitnehmen „muss“ (ein Nicht-Mitnehmen hat keine finanzstrafrechtlichen Folgen für den Kunden).

Doch Schöndorfer weiß, was seine Kunden davon halten – nämlich nicht besonders viel. Dazu postete er auf Facebook ein Bild von einem Karton, in dem er Kassenbelege sammelte, die an einem einzigen Tag nicht von seinen Kunden mitgenommen wurden. „Für die ,gesetzestreuen‘ Kunden steht auch noch draußen eine Tonne“, erklärt der Trafikant.

x  |  NOEN

"Mutwillige Müllproduktion"

Für Schöndorfer ein Skandal. Durch die Belegerteilungspflicht benötigt er laut eigener Hochrechnung rund 300 zusätzliche Kassarollen mit je 80 Metern Papier pro Jahr. „Es ist eine mutwillige Müllproduktion. Wenn alle meine über 2.400 Trafikanten-Kollegen einen ebenso hohen Anstieg haben, dann brauchen wir dadurch zusammen um 720.000 Rollen mehr. Damit können wir die Erde umwickeln – mit Thermopapier, das giftiges Bisphenol A enthält. Und die Rede ist nur von Trafikanten.“

Die Registrierkassenpflicht sieht Schöndorfer hingegen positiv („alles was getan wird, damit nichts an der Finanz vorbeigeht, ist schon okay“). Viele Kollegen denken ähnlich, wie Wirtschaftskammer-Obmann Thomas Hagmann bestätigt: „Der überwiegende Teil hat ja ohnehin bereits eine.“ Betroffen sei daher eine Minderheit, darunter viele Ein-Personen-Unternehmen. „Für die ist das natürlich ärgerlich, die Verwirrung sehr groß“, erklärt Hagmann. Die Wirtschaftskammer werde weiterhin mit Broschüren und Veranstaltungen informieren.

x  |  NOEN, Foto: Lechner

Hagmann freut sich aber, dass durch die Registrierkassenpflicht „nun Chancengleichheit für alle, die wirtschaftlich tätig sind und Barumsätze haben, herrscht“. Er sieht zudem die Finanz selbst unter Druck gesetzt. „Die Betriebsprüfungen müssen nun ja wesentlich schneller und günstiger sein. Dadurch gibt es Einsparungen in der Verwaltung, die mit einer Senkung der Lohnkosten um zehn Prozent zurückgegeben werden müssen“, fordert Hagmann.

„Verbringe bis zu drei Stunden täglich damit“

Auch in der Gastronomie trifft es vor allem kleine Betriebe, die jetzt nachrüsten müssen. Dass die Registrierkasse aber für manche ein Schließungs-Grund sei, glaubt WK-Bezirksvertrauensmann Andreas Macher nicht. „Nach den Themen Rauchen, Barrierefreiheit oder Allergene wird die Registrierkasse aber als Schließungsgrund vorgeschoben. Wie viele wirklich zusperren, muss man erst abwarten.“ Macher betont aber, dass er mindestens zwei bis drei Stunden am Tag mit den Vorschriften beschäftigt ist. „Eigentlich sollte ich ja beim Gast sein“, so der Schwarze Kuchl-Chef.

Gerüchte gibt es um die Schließung von einigen Heurigenbetreibern in der Region. Bezirksbauernkammer-Obfrau Ida Steininger beschwichtigt aber: „Das sind Betriebe, die im Nebenerwerb geführt werden, oder jene, die eine baldige Pension in Aussicht haben. Sie werden sich daher nicht mehr mit der Anschaffung einer Registrierkasse in Unkosten stürzen.“ Generell seien in der Landwirtschaft durch die Registrierkassenpflicht vor allem Weinbauern („alle die Flaschenwein, Heurigenbetriebe und Direktvermarktung haben“) betroffen.

Die denkt Ihr darüber? Stimmt ab!