Erstellt am 22. März 2016, 04:14

von Karl Pröglhöf

Kremser Volkshochschule droht Aus. Die VHS erhofft sich mehr Unterstützung von der Stadt. Vorsitzender Hans Angerer erklärt Rücktritt.

Betroffene Gesichter bei der Hauptversammlung der Volkshochschule: Kassenverwalter Hans Wondraczek, Vorsitzender Hans Angerer, der seinen Rücktritt erklärt hat, Stellvertreter Oskar Schild und Geschäftsführer Leo Faltus.  |  NOEN, Foto: Johann Lechner

Droht der Kremser Volkshochschule just im 60. Jahr ihres Bestehens das Aus? Zwei Faktoren deuten auf eine äußerst prekäre Situation hin. Zum einen können die Fixkosten für die Miete im Kurslokal Fellnerhof in der Oberen Landstraße nicht mehr gedeckt werden, weil die Stadt die Subvention nicht aufstocken will. Zum anderen hat Vorsitzender Hans Angerer aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt – und es findet sich kein Nachfolger. Statutengemäß hätte beides eine Auflösung des Vereins zur Folge.

Diese Situation wurde bei der Hauptversammlung in der Vorwoche offen angesprochen. Lösung wurde spontan keine gefunden, sodass es im Mai eine außerordentliche Hauptversammlung geben wird, bei der über die Zukunft der VHS zu entscheiden sein wird.

„Unsere Reserven reichen
bis längstens Ende dieses Jahres.“
Hans Angerer

„Grob gesagt geht es um einen Fehlbetrag von rund 30.000 Euro pro Jahr. Diese Summe sollte der Fortbestand der Erwachsenenbildungseinrichtung VHS in der Bildungsstadt Krems doch wert sein“, hoffen Angerer und Geschäftsführer Leo Faltus auf eine Lösung. Bisherige Gespräche mit Bürgermeister Reinhard Resch und Vizebürgermeister Wolfgang Derler brachten kein Ergebnis.
Derzeit schießt die Stadt 81.000 Euro pro Jahr zu. Dieser Betrag ist aber bis zumindest Ende 2017 eingefroren, weil das Budget in dieser Form schon beschlossen ist.

„Kommt es zu keinem neuen Fördervertrag, dann reichen unsere Reserven bis längstens Ende 2016“, weist Angerer auf den Ernst der Situation hin.

„Wären wir nur eine Sprachschule,
würden wir positiv bilanzieren"

Einer der Hauptgründe ist, dass die Hausinhaber lange Jahre stillschweigend auf die regelmäßige Valorisierung der Miete und die regelmäßige Einhebung der Betriebskosten verzichtet haben. Die neue Hausverwaltung nimmt es jetzt genauer, was zu jährlichen Mehrkosten von 20.000 Euro führt.
Zudem hat sich die Marktsituation geändert. „Wären wir nur eine Sprachschule, würden wir positiv bilanzieren. Viele Kurse sind aber viel stärker auf Qualität ausgelegt. Außerdem gibt es mehr Mitbewerber in der Erwachsenenbildung“, erklärt Angerer.

Im Zuge der Krisensitzungen wurde eine Übersiedelung der VHS in ein (Schul-)Gebäude der Stadt angedacht. Dies erscheint dem Vorstand als nicht sinnvoll. Einerseits hat man viel in den Ausbau der Erwachsenenbildungsstätte (Umbau, EDV-Räume) investiert, zum anderen trägt die VHS mit ihren 3.000 Kunden auch zu einer Belebung der Innenstadt bei.

In St. Pölten, Wiener Neustadt und Amstetten sind die Volkshochschulen städtische Einrichtungen und können auf deren Infrastruktur zurückgreifen.