Erstellt am 22. März 2016, 04:24

von Jutta Hahslinger

Kundengelder im Spielcasino verzockt. Verurteilter Betrüger sieht Schuld in Spielsucht und bei Casinobetreibern: "Sie sind die größten Gauner und gehören alle eing'sperrt!"

 |  NOEN, Symbolbild
"Ich habe 1.000 Probleme, bin herzkrank, habe Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht“, lamentierte der 76-Jährige vor Gericht und drückte gehörig auf die Tränendrüse. Über 15 Jahre war es dem ehemals erfolgreichen An- und Verkäufer von Möbeln im Waldviertel gelungen, sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen.

Er bezog seine Pension aus Österreich, lebte aber als U-Boot in Tschechien, bis er aufgestöbert wurde und die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis nehmen musste.

Hotelbetreiber und Gastronomen abgezockt

So hält sich das Mitleid des Schöffensenates sichtlich in Grenzen. Der 76-Jährige spürt, dass er mit der Mitleidstour nicht weit kommt und schwenkt sofort um. Unumwunden gibt er dann zu, im April 2000 einem Senftenberger Hotelbetreiber 2.180 Euro Vorauszahlung für Stühle abgeknöpft zu haben.

Noch schlimmer habe es einen Gastronomen in Straß getroffen. Stattliche 58.900 Euro Anzahlung habe der für die Anfertigung und Lieferung von Möbel geleistet, aber nie auch nur ein Stück gesehen: „Ich bin sofort ins Casino gefahren und habe leider alles verspielt“, gesteht er ein und sieht in seiner Spielsucht und den Casinobetreibern die Ursache seiner geschäftlichen Schandtaten: „Das sind die größten Gauner, die arbeiten mit allen Tricks und gehören alle eingesperrt“, erklärt er.

„Die Verantwortung ist sehr von Selbstmitleid geprägt“, kommentiert Ankläger Franz Hütter. Richterin Julia Bennersdorfer verhängt über den 76-Jährigen eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.