Erstellt am 20. April 2016, 04:14

von Petra Vock

Kuriose Aktion in Krems: Denunzieren erwünscht. Alle Kremser sind aufgefordert, bis 7. Mai bei der „Kunstinspektion Donau“ Missstände aller Art anzuzeigen. Missetäter werden von den Kunst-Kommissaren mit Blaulicht aufgesucht.

Konkurrenz für Franz Stieger: Die »Kunstinspektion Donau« (Julius Deutschbauer, Barbara Ungepflegt und David Jagerhofer) lädt zum »gemütlichen Denunzieren und Lamentieren« ins Stadtcafé Ulrich ein und will angezeigten Missständen mit Blaulicht und Megafon nachgehen bzw. nachfahren.  |  NOEN, Foto: Gabriel Schöller

Ob dazu in Krems extra eine Aufforderung nötig ist? „Erstatten Sie Anzeige!“, lautet das Motto einer ungewöhnlichen Aktion des Donaufestivals, die wohl für reichlich Aufsehen in der Stadt sorgen wird.

„Wir gehen jeder einzelnen Anzeige nach“, verspricht Julius Deutschbauer von der „Kunstinspektion Donau“ und fordert die Kremser auf, Verdächtigungen und Missstände jeglicher Art bei der Kunstinspektion anzuzeigen – ob es sich um den Hund des Nachbarn oder das Fehlen weiblicher Straßennamen handelt.

Beschwerde-Briefkasten beim Stadtcafé Ulrich

Um der Bevölkerung das Denunzieren zu erleichtern, wird ab 25. April bis zum Ende des Donaufestivals am 7. Mai ein „Wachzimmer“ im Stadtcafé Ulrich am Südtirolerplatz besetzt sein. Beschwerden und „Anzeigen“ können dort täglich ab 14 Uhr persönlich eingebracht, aber auch jederzeit anonym in den „Beschwerdebriefkasten“ eingeworfen werden, der bereits beim Stadtcafé installiert wurde.

Das Anzeigeformular dafür war dem Stadtjournal beigelegt, liegt an verschiedenen Orten auf und kann unter www.donaufestival.at heruntergeladen werden.

Fälle werden durch einen Blog begleitet

Und was passiert mit „Verdächtigen“? „Wir fahren mit unserem Einsatzwagen mit Blaulicht bei der entsprechenden Person vor – ob das jetzt der Bürgermeister, die Polizei oder ein Gymnasialprofessor ist“, kündigt Deutschbauer an. Der jeweilige Sachverhalt wird ermittelt und beim täglichen „gemütlichen Denunzieren und Lamentieren bei Imbiss und Trank“ ab 18 Uhr im Stadtcafé erörtert. Die Fälle sollen auch durch einen Blog auf www.donaufestival.at begleitet werden.

Die eigenwillige Kunst-Performance lief bereits beim „Festival der Regionen“ in Oberösterreich. „In Eferding gab es zuerst viele Jux-Anzeigen, etwa dass der Kies am Friedhof zu laut ist und die Totenruhe stört, aber mit der Zeit kamen fast nur noch ernst gemeinte Anzeigen, und mit einer ähnlichen Entwicklung rechnen wir auch in Krems“, so Deutschbauer.

„Es interessiert uns durchaus,
in ein paar Wunden hineinzustechen“

Und was ist der Zweck des Ganzen? „Der Österreicher denunziert und lamentiert gern. Dass wir ausdrücklich dazu auffordern, ist natürlich ein ironischer Hinweis auf diese österreichische Grundeigenschaft“, erklärt Deutschbauer. Gleichzeitig komme dabei aber tatsächlich Brisantes und auch Politisches zur Sprache, meint er: „Es interessiert uns durchaus, in ein paar Wunden hineinzustechen.“

Konkurrenz für Franz Stieger: Die „Kunstinspektion Donau“ (Julius Deutschbauer, Barbara Ungepflegt und David Jagerhofer) lädt zum „gemütlichen Denunzieren und Lamentieren“ ins Stadtcafé Ulrich ein und will angezeigten Missständen mit Blaulicht und Megafon nachgehen bzw. nachfahren.Gabriel Schöller

Das Anzeigeformular für den „Beschwerdebriefkasten“ war dem Stadtjournal beigelegt .