Erstellt am 13. April 2016, 04:24

von Thomas Werth

Manfred Grünanger: "Abschied war besonders". Der Kremser Manfred Grünanger, der den Terror-Anschlag bei der U-Bahn-Station miterlebte, kehrte zurück zu seinem Arbeitsplatz in die belgische Hauptstadt.

Frische Blumen und zahlreiche Botschaften liegen nach wie vor im Eingangsbereich der U-Bahn-Station Maelbeek, in der bei einem Terror-Anschlag 20 Personen ihr Leben verloren.  |  NOEN, privat

Rund eineinhalb Wochen verbrachte Manfred Grünanger bei seiner Familie in Krems, ehe es am Montag der Vorwoche für den 52-Jährigen wieder zurück nach Brüssel ging – in jene Stadt, in der er den Terror-Anschlag auf die U-Bahn-Station Maelbeek aus nächster Nähe miterlebt hatte (die NÖN berichtete).

„Meine Gattin brachte mich nach Wien zum Flughafen. Der Abschied war dieses Mal ein besonderer, weil wir zum ersten Mal nicht wussten, wann wir uns unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen wiedersehen“, schildert Grünanger – im Normalfall sehen sich die beiden bis zu drei Mal im Monat.

Dieses Mal landete Grünanger, der als von der Wirtschaftskammer delegierter nationaler Experte in der Europäischen Kommission, Generaldirektion Justiz, arbeitet, in Lüttich. „Die Suche nach den für die Fahrt nach Brüssel zur Verfügung gestellten Bussen war mühsam, weil schlecht organisiert“, berichtet der 52-Jährige. 80 Minuten später war er in der belgischen Hauptstadt. Bereits vom Bus aus bemerkte er das verstärkt bewachte Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission, und die noch immer gesperrte U-Bahn-Station.

"Unbeschwertheit nicht mehr vorhanden“

„Das subjektiv gute Gefühl und die Unbeschwertheit, die ich daheim in Österreich hatte, sind seit meiner Rückkehr nach Belgien nicht mehr vorhanden“, erklärt Grünanger. Der Schock der Anschläge liege noch immer über der Stadt und den Bewohnern. „Sie bemühen sich um Rückkehr zur Normalität, aber das wird noch dauern“, vermutet er.

Geändert hat sich seit seiner Rückkehr auch das Mobilitätsverhalten: „Die Brüsseler Metro fährt derzeit nur zwischen 7 und 19 Uhr, Taxis sind sehr begehrte Transportmittel.“ Bereits kurz nach 6 Uhr sind die vierspurigen Straßen im Europaviertel, in dem Grünanger arbeitet und wohnt, voll mit dichtem Kolonnenverkehr. „So etwas habe ich vorher nicht gesehen“, erklärt er.

Immer noch im Ausnahmezustand

Auch eine Dienstreise mit dem Zug nach Paris zur OECD hat Grünanger bereits hinter sich: „Wenn im Zug französische Polizisten Ticket und Pass kontrollieren, wird einem bewusst, dass man die Grenze in ein Land, das sich immer noch im Ausnahmezustand befindet, überquert.“ In Paris war Grünanger auch mit der U-Bahn unterwegs: „In den überfüllten Waggons und Stiegen versuchte ich nicht an die Maelbeek-Metro-Ereignisse zu denken.“

Grünangers Vertrag als Delegierter läuft noch bis April 2017.