Erstellt am 18. Januar 2016, 08:31

von Petra Vock

Michaela Binder: Die „Knochenjägerin“ aus Krems. Die aus Krems stammende Anthropologin Michaela Binder sorgt neuerlich für Aufsehen: Sie wies an einem 1.500 Jahre alten Skelett die älteste Prothese Europas nach.

Anthropologin mit Kremser Wurzeln: Michaela Binder. Foto: privat  |  NOEN, privat
Michaela Binder ist zurück – und lässt erneut aufhorchen: Nach ihrem Sensationsfund im Sudan hat sie jetzt an einem etwa 1.500 Jahre alten Skelett die älteste Prothese Europas nachgewiesen.

2014 für internationale Schlagzeilen gesorgt

Binder (33), Tochter von Regina und Hermann Binder aus Krems, studierte – nach der Matura am BRG Ringstraße – in Wien Humanbiologie sowie Ur- und Frühgeschichte.

Für internationale Schlagzeilen sorgte sie im Frühling 2014 mit dem Fund eines 3.200 Jahre alten Skelettes im Sudan, an dem Krebs-Metastasen nachgewiesen wurden – einer der ältesten bekannten Krebsfälle weltweit!

Da absolvierte sie gerade ein Doktoratsstudium an der englischen Universität Durham. Inzwischen ist die Anthropologin wieder in Wien: „Nach Abschluss meiner Doktorarbeit hat mich die Chefin des Österreichischen Archäologischen Instituts gefragt, ob ich zurückkommen möchte, um einen Schwerpunkt Bioarchäologie – also Auswertung menschlicher Überreste – aufzubauen“, erzählt Binder.

Nun um weitere Forschungsgelder bemüht

Das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) stößt bei Ausgrabungen immer wieder auf alte Friedhöfe – jede Menge Arbeit für eine „Knochenjägerin“ wie Binder.

Vor Kurzem analysierte sie ein Skelett aus dem 6. Jahrhundert, das am Hemmaberg in Kärnten ausgegraben wurde, und konnte die älteste Prothese Europas nachweisen: „Aufgrund meiner Untersuchung des Skeletts können wir belegen, dass die Prothese wirklich verwendet wurde“, erklärt Binder. „Kosmetische“ Prothesen gab es schon früher, aber es ist keine ältere Prothese bekannt, bei der das Bein wirklich belastet wurde.

Vom Fundort am Hemmaberg gibt es fast 600 Skelette. Binder bemüht sich jetzt um Forschungsgelder für ein Projekt, um weitere Knochenanalysen daran durchführen zu können.

„Wir wissen sehr wenig über die Lebensbedingungen in der Übergangszeit zwischen dem Römischen Reich und dem frühen Mittelalter“, betont sie. „Wie haben die Menschen damals gelebt? Wie sah die Ernährung aus? Gab es viel Gewalt?“ Die Antworten auf viele dieser Fragen sind in den alten Knochen verborgen. Noch ...