Erstellt am 02. Dezember 2015, 13:10

von APA Red

Musicalstar Perman machte MBA an Donau-Uni. Die rasche Integration von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt bringt nicht nur sozialen, sondern auch ökonomischen Mehrwert. Das behauptet Musicaldarsteller und Schauspieler Lukas Perman nicht einfach so...

Musicaldarsteller und Schauspieler Lukas Perman hat an der Donau-Uni Krems seinen Master of Business Administration (MBA) mit einer Arbeit über das Flüchtlingsprojekt "magdas Hotel" gemacht.  |  NOEN, ISABELL SCHATZ (APA)
Der 35-jährige Oberösterreicher hat soeben an der Donau-Universität Krems seinen Master of Business Administration (MBA) mit einer Arbeit gemacht, in der er diesen Effekt anhand von Modellrechnungen nachweist.

Arbeitsmarkt-Öffnung brächte "gute Selbstfinanzierung"

Perman hat neben seinen Musical-Auftritten ein Studium am Department für Wirtschafts- und Managementwissenschaften in Krems absolviert. Nach einem mehrmonatigen Volontariat bei der Caritas entschloss er sich dazu, in seiner Masterarbeit die volkswirtschaftlichen Effekte des Caritas-Flüchtlingsprojekts "magdas Hotel" zu berechnen.

Ergebnis: Durch die Schaffung von 20 Arbeitsplätzen für Menschen mit Fluchthintergrund ergibt sich aufgrund eingesparter Transferleistungen sowie von geleisteten Abgaben eine jährliche Summe von 405.000 Euro, die der Allgemeinheit zugutekommt.

Anhand weiterer Modellrechnungen kommt er zum Schluss: "Es würde sich durch eine Öffnung des Arbeitsmarktes für AsylwerberInnen und eine nur geringe prozentuale Integration von AsylwerberInnen in den Arbeitsmarkt aller Wahrscheinlichkeit nach eine quasi 'Selbstfinanzierung der Zuwanderer mit Fluchthintergrund' ergeben", heißt es in seiner Master Thesis.

Sensibilisierung für Thema erfolgte auf Reisen

Warum die Politik sich dieser auch von vielen Experten vertretenen Ansicht nicht anschließt und entsprechende Maßnahmen setzt, kann sich der Musicalstar nicht so recht erklären. "Als Einziges könnte ich mir vorstellen: Man möchte nicht, dass sich die Asylwerber rasch integrieren, um damit kein Bleiberecht zu begründen. Man möchte, dass sie im Asylverfahren leichter abgeschoben werden können", mutmaßt Perman im Gespräch mit der APA.

Seine eigene Sensibilisierung für das Thema sei auf den zahlreichen Reisen erfolgt, die der Ex-"Starmaniac" mit seiner Frau Marjan Shaki, mit der er 2005 die Titelrollen des Musicals "Romeo und Julia" im Wiener Raimund Theater spielte und 2013 (mit ihren jeweiligen Profi-Tanzpartnern) ins "Dancing Stars"-Finale kam, vor allem durch Südamerika und Asien unternommen hat. "Diese Reisen waren eine absolute Horizont-Erweiterung, die uns in die Realität geholt hat."

Der Kipp-Punkt sei 2010 das verheerende Erdbeben in Haiti mit über 200.000 Todesopfern gewesen. "Wir haben damals jeden Abend vor 1.000 Leuten im goldglänzenden Ronacher 'Tanz der Vampire' gespielt. Die seichte Story kommt einem da besonders absurd vor." In der Folge sei das Paar zweimal nach Haiti geflogen, um vor Ort zu helfen, habe Spenden gesammelt und Benefiz-Galas organisiert.

Schon im Frühjahr habe man den Plan gefasst, die auch für heuer bei den VBW angemeldete Benefiz-Gala einem Integrationsprojekt für Flüchtlinge zu widmen. "Musical Christmas" am 21. Dezember im Raimundtheater wird daher dem Verein "Superar" zugutekommen, der Kindern, die sonst keinen Zugang zu musikalischer Förderung hätten, eine kostenfreie professionelle Musikerziehung bietet. "Kunst und Kultur können beim Thema Integration sehr viel leisten", ist Perman überzeugt.

Von der Bühne in den organisierenden Kulturbereich?

Intensive Diskussionen, auch selbst Flüchtlingen eine Unterkunft zu bieten, wurden im Hause Perman/Shaki schließlich fallen gelassen - schließlich hat das Paar eine sieben Monate alte Tochter zu betreuen.

Insgesamt plädiert der frisch gebackene Master für mehr Realismus in der Flüchtlingsdebatte - bei der Beurteilung der eigenen Möglichkeiten wie der Einschätzung von Chancen und Gefahren, die durch den Zuzug entstünden. "Sonst bekommen wir ein Problem. Und wichtig wäre, dass sich die Wirtschaft des Themas annimmt."

Seine eigene Kompetenzerweiterung könne durchaus dazu führen, dass er mittelfristig von der Bühne in den organisierenden, produzierenden Kulturbereich wechseln werde, meint Perman. Vorerst jedoch freut er sich auf Abwechslung in seinem angestammten Metier: Im Wiener Metropol wird er ab 9. Februar in der Regie von Erhard Pauer einer der "Wonderboys of Hernois" sein. "Das wird einfach eine Gaudi!"

Doch Perman hat auch im seriösen Fach schon ein nächstes Projekt im Auge. Er überlegt, sich im Zuge eines Doktoratsstudiums in Musiksoziologie mit der Bedeutung von Musik und Darstellender Kunst in der Integration von Migranten zu befassen. "Ich glaube, das Thema Integration wird Expertise brauchen, denn es wird uns die nächsten Jahrzehnte begleiten."