Erstellt am 07. Juni 2016, 04:15

von Thomas Werth

NMS mit Image-Problem: „Schwierig, Eltern zu überzeugen“. NMS-Direktorin Böswirth bestätigt ein Image-Problem des Schultyps. Außerdem ist Konkurrenz durch drei Gymnasien enorm.Hat das 2011 errichtete Kremser Schulzentrum ein Image-Problem?

NMS Krems  |  NOEN, Johann Lechner
Hat das 2011 errichtete Kremser Schulzentrum ein Image-Problem? Ja, finden – wie berichtet – die beiden Jugendgemeinderäte Jasmina Brdaninovic und Georg Mantler. Sie sehen das Angebot mindergeschätzt. Ein Hauptgrund: Bedenken durch das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen.

Das bestätigt NMS-Direktorin Monika Böswirth: „Als Grund für die eher ablehnende Haltung gegenüber unserer Schule wird oft der Ausländeranteil genannt. Tatsächlich können sich die Gymnasien und die privaten Schulen ihre Schülerpopulation aussuchen, wir als Pflichtschule haben diese Möglichkeit nicht.“

Kinder "mit allen Mitteln in Gymnasien gepresst"

Dazu kommt laut Böswirth ein weiteres, nicht Krems-spezifisches Problem: „Nach der Volksschule ist für den Großteil der Eltern generell die Mittelschule nur eine Notlösung, wenn es die Kinder nicht ins Gymnasium schaffen.“ Die Direktorin sieht als Grund dafür noch immer das Image der ehemaligen Hauptschule, die durch die Leistungsgruppen manchen Kindern den Zugang zu weiterführenden Schulen erschwert habe.

„Es ist schwierig, die Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder in eine Neue Mittelschule zu geben“, erklärt Böswirth. Die Konkurrenz mache die Situation nicht leichter. „In Krems stehen im Gegensatz zu anderen Städten gleicher Größenordnung gleich drei Gymnasien zur Verfügung und viele Eltern versuchen mit allen Mitteln, ihre Kinder nach der Volksschule dorthin zu pressen“, so Böswirth.

"Wir haben keine leeren Klassen“

Im Gegensatz zu anderen Mittelschulen und Mutmaßungen seien die Schülerzahlen an der NMS aber nicht rückläufig. „Sie steigen sogar, wir haben keine leeren Klassen“, betont Böswirth, für die das pädagogische Konzept der Neuen Mittelschule „gut, richtig, modern und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend ist“.

Es nehme den Eltern und Kindern Druck weg und auf die individuellen Fähigkeiten und Interessen Rücksicht. „So schaffen wir es, dass etwa 40 Prozent in eine berufsbildende mittlere Schule und etwa 20 Prozent in eine weiterführende höhere Schule gehen, obwohl etliche unserer Schüler anfangs nicht gut oder gar nicht Deutsch können“, so Böswirth. Mittels „Nahtstellenstunden“ wird zudem versucht, Kinder bereits in den Volksschulen zu erreichen, bei Infoabenden wird Eltern das Konzept der NMS erläutert.

Im Schulzentrum sind die Neue Mittelschule, die Sonderschule und die Polytechnische Schule untergebracht. Insgesamt werden 383 Kinder unterrichtet, der Großteil (246) in der NMS.