Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:17

von Jutta Hahslinger

Opfer: „Nüchtern ist er der liebste Mensch“. Alle Versprechungen nützten nichts: Kremser ensionist, der alkoholisiert Freundin und Nachbarn bedroht, muss zur Entwöhnungskur.

 |  NOEN, Symbolbild
„I steh wie a kleine Maus da, mehr bin i heut‘ nicht mehr“, blickt der nunmehrige Pensionist aus Krems auf ein erfülltes Geschäftsleben zurück. Nun finde er Erfüllung als Hausmann, erzählt er vor Gericht: „Ich helfe meiner schwerkranken Gefährtin, koche, mähe den Rasen“, listet er seine Bonuspunkte auf und ist überzeugt: „Wir haben eine perfekte Beziehung.“

Von einer Beziehung könne keine Rede sein, sagt hingegen die Kremserin (55): „Es ist eine schöne Freundschaft, mehr aber auch nicht. Er wohnt zwei Häuser weiter und hilft mir gerne. Er ist ein herzensguter Mensch, aber er verkraftet es nicht, wenn ich auch mit anderen Nachbarn rede, dann sieht er rot und rastet aus. Wenn er dann noch was getrunken hat, ist es ganz aus.“

"Da hat immer der Rausch aus ihm gesprochen"

In seiner Eifersucht und im Suff habe er sie schon mehrfach beschimpft und bedroht. „Mein Vater und andere Nachbarn haben unter seinen Ausrastern schon zu leiden gehabt“, schildert das Opfer, und eine bedrohte Nachbarin bestätigt: „Das ewige Geplärre und die Schimpferei, da hat immer der Rausch aus ihm gesprochen. Jetzt war acht Tage in der Wohnsiedlung Ruhe, das war wie Urlaub.“

Richter Michael Marvan sieht ein akutes Alkoholproblem beim Beschuldigten. Der poltert aufgebracht: „Ich trinke jetzt nix mehr, minimal ein oder zwei Gespritzte.“ Die Beteuerung des Alkoholverzichts überzeugt den Richter nicht. Er verhängt über den Kremser wegen gefährlicher Drohung fünf Monate bedingt und erteilt ihm die Weisung, sich einer Entwöhnungstherapie zu unterziehen.