Erstellt am 29. März 2016, 08:45

von APA/Red

Osterfestival Finale mit "Dialog der Liebe". Mit einer hochaktuellen Botschaft aus dem mongolischen Mittelalter ist das Kremser Osterfestival "Imago Dei" am Montag in der Minoritenkirche zu Ende gegangen.

Klangraum Krems Minoritenkirche  |  NOEN, Herta Hurnaus
Das französische Ensemble "La Camera delle Lacrime" brachte unter dem Motto "Karakorum: Dialog der Liebe" Musik des 13. Jahrhunderts aus unterschiedlichen religiösen Kontexten zur Aufführung.

Den historischen Hintergrund bildet die verbriefte Geschichte des Franziskanermönchs Guillaume de Rubrouck, der im Auftrag von König Louis IX. den mongolischen Kaiser Mongku Khan aufsucht, um ihn zur Teilnahme am Kreuzzug zu bewegen. Doch der Khan beruft eine Konferenz der Religionen ein. Bei Androhung der Todesstrafe ist es dabei untersagt, Andersgläubige zu diffamieren. Es kommt zu keiner Einigung, aber zu gemeinsamem Musizieren. Der Khan will den Kreuzzug jedenfalls nicht unterstützen, sondern vielmehr weiterhin religiöse Vielfalt fördern.

Subtile Dramaturgie und Feingefühl

Die sechs hervorragenden Musiker unter Leitung des Tenors Bruno Bonheure und des kambodschanischen Regisseurs Khai-dong Luong gestalten die Reise aus der Auvergne der Troubadours in die Gefilde des Karakorum mit Sinn für subtile Dramaturgie und stilistischem Feingefühl in gregorianischen Chorälen, Psalmen, Hymnen, mongolischen, buddhistischen und Sufi-Gesängen. Da ergeben orientalische Saiten, Dudelsack, Flöte und Drehleier ein stimmiges Klangbild, legt die Perkussion behutsame rhythmische Grundierungen, ergänzen einander Vokalisen aus unterschiedlichen Kulturen in verblüffenden Entsprechungen. Der musikalisch-theologische Diskurs mündet schließlich ins Mantra "Om Mani Padme Hum".

"Zweifel, Liebe, Hoffnung" - dieses Thema prägte alle elf Konzerte beim diesjährigen Festival im Klangraum Krems, dessen Abschluss ganz augen- und ohrenscheinlich die Notwendigkeit von Liebe und unteilbarer Verpflichtung zu Toleranz in den Vordergrund rückte. Dem künstlerischen Festivalleiter Joe Aichinger ist einmal mehr eine vielschichtige Synthese aus Spiritualität, Intellektualität und Zeitgenossenschaft geglückt.