Erstellt am 11. April 2017, 05:03

von Karl Braun

Hilfslieferung aus Gföhl in den Irak. Der Gföhler Georg Jachan lieferte Ende März Lebensmittel, Babynahrung und Trinkwasser ins irakische Kriegsgebiet. Eine weitere Hilfsaktion wird vorbereitet.

Georg Jachan bei der Versorgung jesidischer Kinder mit Obst, Keksen und vor allem Trinkwasser.  |  NOEN, privat

Mit Wasser, Babynahrung und Lebensmitteln hat Georg Jachan aus Gföhl Ende März eine Woche lang Flüchtlingskinder im Irak versorgt.

„Eigentlich wollte ich das gemeinsam mit Gerhard Tuschla, einem ehemaligen Kriegsberichterstatter und Obmann des Vereins SOS-Flotte der Menschlichkeit, machen“, so Jachan. Tuschla konnte aufgrund einer Thrombose aber zum vereinbarten Termin nicht fliegen, weshalb eine Absage des gemeinsamen Einsatzes erwogen wurde. Aufgrund der aufwändigen Vorbereitungen und der bestehenden Notlage beschloss Jachan dann, das Projekt im Alleingang durchzuführen.

Ins Kriegsgebiet von Mosul

Von Erbil, Kurdistan, startete er die Hilfslieferungen gemeinsam mit LKW samt Fahrer und ortskundigem Guide in das Kriegsgebiet von Mosul. „Durch großteils vermintes Gelände und IS-Territorium, bis wenige Kilometer vor die Front.“ Die Passage letzter Checkpoints war nur mit Sondergenehmigung möglich. „Der zuständige Peschmergaoffizier war schlichtweg von der Hilfsbereitschaft eines ,Nicht-Moslems‘ aus dem fernen Österreich beeindruckt und gewährte eine unbürokratische Weiterfahrt bis zehn Kilometer vor die Front“, berichtet Jachan.

Im Raum Dohug wurden Jesidencamps mit Reis, Hülsenfrüchten, Wasser und Obst und vor allem Babynahrung versorgt. „Primär handelt es sich hierbei um Frauen und Kinder; die zugehörigen Männer wurden vom IS grausam ermordet, und viele der Frauen, sogar achtjährige Mädchen, wurden monatelang vergewaltigt und versklavt, ehe ihnen die Flucht gelang“, zeigt sich Jachan von den Erzählungen und Erfahrungen vor Ort erschüttert.

Essen aus Müllcontainern

Bevor sie vom Militär in staatliche Camps gebracht wurden, konnten auch Familien aus Westmosul mit Wasser und Carepaketen versorgt werden. „Diese Menschen haben bis zu diesem Zeitpunkt nur überlebt, weil sie sich zum Teil tagelang von Essensresten aus den letzten Müllcontainern in Mosul ernährten.“

Auch in einem völlig überfüllten staatlichen Camp konnte das Notfallsteam mit rund 200 Carepaketen, 5.000 Flaschen Trinkwasser und Babynahrung lebenswichtige Hilfe leisten. „In Summe konnten 10.000 bis 15.000 Menschen mit dem Notwendigsten versorgt werden“, so Jachan, der die Flüchtlinge immer wieder auch über ihre Zukunft nach Kriegsende befragte und dabei durchwegs die gleich lautende Antwort erhielt: Man wolle so schnell wie möglich zurück und neu beginnen; eine Flucht nach Europa komme nicht in Frage.

Spendenaufruf für nächsten Einsatz

In sechs bis acht Wochen ist der nächste Einsatz geplant. Lebensmittel, Wasser und Babynahrung werden dabei wieder vor Ort gekauft, wofür Jachan wieder um finanzielle Unterstützung ersucht.

In Gföhl hat die Pfarre ein Konto für Georg Jachan eingerichtet: Pfarre Gföhl, Vermerk „GEORG“, IBAN: AT11 2027 2034 0000 9308, BIC: SPZWAT21.

Gespendet kann auch an das Vereinskonto „SOS-Flotte der Menschlichkeit“,

Kennwort Nothilfsteam Mossul, IBAN: AT25 3200 0000 1212 5506, BIC: RLNWATWW, werden.