Erstellt am 14. September 2015, 08:09

von Thomas Werth

Richtig helfen ist. Stadt schafft Koordinationsstelle zwischen Diakonie, Stadt und Privaten. Plattform organisiert Freiwillige.

Stadträtin Eva Hollerer, Manuela Leoni, Stephanie Atteneder, Tina Pieringer und Stadträtin Anna Wegl (von links) freuen sich über das große Engagement unter der Kremser Bevölkerung.  |  NOEN, Johann Lechner

Die Stadt hat Manuela Leoni vom Verein Impulse mit der Koordination der Flüchtlingshilfe in Krems betraut. Sie soll als Schnittstelle zwischen der Stadt, der Diakonie, die die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge im Auftrag des Landes organisiert, und den zahlreichen privaten Helfern fungieren. „Wir haben eine große Welle an Hilfsbereitschaft erlebt.

Dafür sind wir sehr dankbar. Wir haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass richtig Helfen nicht immer einfach ist“, so die Stadträtinnen Eva Hollerer (SP) und Anna Wegl (VP), die nun mit der städtischen Koordinationsstelle Strukturen für die Flüchtlingshilfe in Krems schaffen wollen. „Es ist ein Service für alle Kremser, die freiwillig helfen wollen“, erklärt Hollerer.

„Es ist wichtig, diese positive Stimmung mitzunehmen. Denn es werden noch mehr Asylwerber nach Krems kommen.“ Manuela Leoni, Flüchtlingskoordinatorin

Vergangenen Donnerstag gab es dazu auch eine Veranstaltung im Nanacafé, denn nicht zuletzt auf Facebook haben sich bereits einige Plattformen gegründet, die nun unter „Menschen für Menschen in Krems“ zusammengeführt werden sollen.

Auf Initiative von Stephanie Atteneder und Tina Pieringer haben sich weit über 100 Teilnehmer in dem Saal zusammengefunden, um die künftige Vorgangsweise zur Unterstützung der Flüchtlinge in Krems zu besprechen. Derzeit wird die Zahl der Asylwerber in der Wachaumetropole mit rund 80 beziffert (die Zahl von Flüchtlingen in privaten Unterkünften muss erst erhoben werden) – 45 haben bereits Quartier in den Gemeindewohnungen in der Ringstraße sowie in Wohnungen eines Kremser Unternehmers am Langenloiserberg bezogen. „Es gibt derzeit eine emotionale Stimmung, die durch Bilder und Erfahrungen beeinflusst wird. Es ist wichtig, diese positive Stimmung mitzunehmen. Denn es werden noch mehr Asylwerber nach Krems kommen“, erzählte Leoni vor den zahlreichen hilfsbereiten Kremsern.

Helfer wollen sich noch besser vernetzen

Mittels Erhebungsbogen wurden Daten gesammelt, wie jeder Einzelne seine Stärken und Mittel künftig am besten einsetzen kann, damit die Organisatoren wissen, auf welche „Ressourcen“ sie zurückgreifen können. Dazu wurden vier Arbeitsgruppen gebildet, damit sich die Helfer noch besser vernetzen können: eine Gruppe für die Sprachförderung, eine für die Wohnraumbeschaffung, eine für die gesellschaftliche Einbindung der Flüchtlinge sowie eine für die Imagepflege. Zusätzlich sollen Paten gefunden werden, die jeweils eine Familie im Alltag begleiten. „Es geht unter anderem um Lernunterstützung für Kinder, um Hilfe bei Arztbesuchen oder um Begleitung bei Behördenwegen“, erklärt Leoni. Gleichzeitig betont sie, man solle diese Aufgabe nicht unterschätzen: „Mit fünf bis zehn Stunden in der Woche muss man für die Paten-Tätigkeit schon rechnen.“

Gerlinde Hämmerle, die durch die Veranstaltung führte, bat aber gleichzeitig auch um Geduld: „Wir wissen, dass viele von euch sofort helfen möchten. Aber wir müssen zunächst einmal die Daten sammeln, um die Hilfe bestmöglich organisieren zu können.“ Dazu ergänzt sie: „Das Thema wird uns lange begleiten. Die Hilfe soll nicht verschwinden, wenn das Thema nicht mehr in den Medien omnipräsent ist.“

Von Sachspenden bittet Leoni Abstand zu nehmen – die Lager sind übervoll. „Sachspenden sind bei der Caritas im Carla besser aufgehoben“, erklärt sie. Was am dringendsten benötigt wird, ist Wohnraum. „Vor allem müssen wir uns darauf einstellen, dass unsere Hilfe auf Dauer gebraucht wird“, sagt Leoni.

Die Stadt hat außerdem ein Spendenkonto eingerichtet:

  • Spendenkonto der Stadt Krems: Verwendungszweck „Flüchtlingshilfe Krems“, PSK-Konto, IBAN: AT72 6000 0000 0757 1257, BIC: OPSKATWW

Weitere Infos:

  • Koordinationsstelle der Stadt Krems: Verein Impulse, Ringstraße 23, ( 0676 840 803 204, Mail: office@impulse.at)
  • Private Wohnangebote: Flüchtlingsdienst der Diakonie, ( 0664 88 302 303, www.diakonie.at/fluechtlingsdienst)