Erstellt am 14. Juni 2016, 04:35

von Thomas Werth

Ruf nach Kremser Stadtmarketing. Bessere Vermarktung der Innenstadt angestrebt. Blick nach Tulln und St. Pölten.

Veranstaltungen wie die „Einkaufsnacht der Sinne“ locken immer viele Besucher in die Innenstadt, sind aber laut Erni Breith von der Kaufmannschaft nicht billig zu organisieren. „Wir müssen ja für ein Programm auf mehreren hundert Metern sorgen.“  |  NOEN, Johann Lechner
Der Ruf nach einem professionellen Stadtmarketing, zumindest für die Innenstadt, wird in Krems lauter. „Das steht auf der Prioritätenliste ganz oben“, erzählt Karl-Heinz Hagmann, Ehrenobmann der Kaufmannschaft, Bewohner und Hauseigentümer in der Innenstadt. „Ja, es laufen im Hintergrund etliche Bemühungen und Änderungen, die aber erst dann publiziert werden, wenn die Zeit dafür reif ist beziehungsweise dies fertig ausgearbeitet ist“, bestätigt Wirtschaftskammer-Obmann Thomas Hagmann.

Während Städte wie St. Pölten, Tulln, Waidhofen/Ybbs oder Wels mit ihren Stadtmarketing-Konzepten bereits sehr positive Erfahrungen gesammelt haben, ist Krems mit einer deutlichen Verspätung unterwegs. „Vielleicht war der Leidensdruck bislang noch nicht groß genug“, vermutet Karl-Heinz Hagmann.

Ideen für weitere Events in der Schublade

Derzeit bemüht sich die Kremser Kaufmannschaft in der Innenstadt um eine Belebung. „Wir versuchen mit ,Alles Marille‘, Einkaufsnächten oder dem Simandlbrunnenfest vermehrt Leute in die Innenstadt zu locken“, so Obfrau Erni Breith. Diese Bemühungen sind auch von Erfolg gekrönt, es würden sogar Ideen für weitere Veranstaltungen in der Schublade liegen.

„Aber unsere finanziellen Mitteln aus den Mitgliedsbeiträgen sind knapp.“ Dazu kommt, dass nicht alle Innenstadt-Unternehmen Mitglieder der Kaufmannschaft sind. „Vor allem große Ketten machen nicht mit, freuen sich aber über die Kunden bei unseren Veranstaltungen“, ärgert sich Breith. Ob ein Citymanager Probleme wie den Leerstand in der Innenstadt lösen könne, wisse Breith nicht: „Es hängt aber sicher von der handelnden Person ab und ist eine Geldfrage.“

„Die Stadt muss federführend aktiv sein“

Dass die Stadt gefordert ist, weiß auch Finanzstadtrat Erwin Krammer. „Ich bin überzeugt, dass in diese Richtung Aktivitäten passieren müssen und sehe es als Aufgabe der Stadt, federführend aktiv zu sein. Aber Geld alleine wird nicht helfen“, betont Krammer, der aber ergänzt, dass wohl auch die Stadt finanziell gefordert sei. Von Schnellschüssen möchte er aber Abstand nehmen, zu sehr auf andere Städte möchte Krammer ebenso nicht blicken.

„St. Pölten hat eine gute Struktur geschaffen, ist aber nicht mit Krems vergleichbar. Eine eigene Abteilung mit vielen Leuten muss nicht sein“, betont der Finanzstadtrat.

Nicht nur ein Innenstadt-Bezug wäre laut Mariandl-Chef Egbert Holz bei einem Stadtmarketing wichtig. „Es ist immer der Konkurrenzkampf zwischen Innenstadt, Einkaufszentren und dem Gewerbepark im Fokus. Stattdessen sollte man es eher so sehen, dass Krems in Konkurrenz zu St. Pölten oder anderen Regionen steht.“ Holz nennt Wels als Vorbild, wo er ebenfalls ein Einkaufszentrum betreibt. „Dort arbeitet das Stadtmarketing zum Großteil zwar für die Innenstadt, ist aber auch dem EKZ gegenüber nicht negativ eingestellt.“

Gratis-Bus in die Stadt?

Für ihn wäre es möglich, dass sich künftig Innenstadt, EKZ und Gewerbepark an Veranstaltungen finanziell beteiligen. „Da soll aber nicht jemand betteln gehen, sondern Geld zentral von einem Stadtmanager gesammelt werden“, so Holz. Möglichkeiten, etwas zu machen, gäbe es viele – etwa an manchen Tagen einen Gratis-Bus in die Stadt anzubieten: „Bei uns könnten die Kunden gratis parken und dann mit dem Bus in die Innenstadt fahren.“


Zitate

„Es ist schwierig, es allen recht zu machen. Die einen schimpfen uns ,Festl-Verein‘, die anderen hätten gerne jeden Monat eine lange Einkaufsnacht. Für letzteres fehlen uns aber die finanziellen Möglichkeiten.“
Erni Breith, Obfrau der Kremser Kaufmannschaft

„Frühere Versuche eines Stadtmarketings sind gescheitert, da es uns nicht gelungen ist, die Hausbesitzer ins Boot zu bekommen. Das schaffen wir als Kaufmannschaft nicht.“
Dieselbe

„Es wäre verkehrt, wenn man gegeneinander kämpft. Man müsste die Kräfte der Innenstadt, der Einkaufszentren und des Gewerbeparks sinnvoll bündeln.“
Egbert Holz, Mariandl

„Wir brauchen eine lebendige Innenstadt und da würde ich auch die Politik in Verantwortung ziehen, wenngleich sie das alleine nicht schaffen kann. Allerdings wird es auch immer schwieriger, da wir in rund einem Jahr Gemeinderatswahl haben werden.“
Finanzstadtrat Erwin Krammer