Erstellt am 24. Februar 2016, 04:04

von Jutta Hahslinger

Schlepper mit Sitz in Krems. Boden in Ungarn wurde zu heiß: Rumäne schlug Zelte in Krems auf und machte mit Landsleuten Wachaustadt zur Schaltzentrale für organisierte Schleuserfahrten.

Richter Gerhard Wittmann leitete den Prozess. Um Verzögerungen zu vermeiden, schied er das Verfahren gegen Drahtzieher M. aus.  |  NOEN, Foto: Hahslinger

„In Budapest geht es in den Hinterzimmern oft wie in Reisebüros zu. Es geht nur ums Geld, und Schleuser geben sich da die Türklinke in die Hand“, plaudert ein bereits verurteilter Schlepper aus dem Nähkästchen. Ihn selbst habe die Aussicht auf leicht und schnell verdientes Geld jegliche Skrupel vergessen lassen, gibt er unumwunden zu.

Auch der arbeitslose Rumäne Claudiu M. (22) versprach sich von dem Flüchtlingsstrom eine sprudelnde Geldquelle. Kontakte zu ungarischen Spezialisten waren vorhanden, und die soll M. auch genutzt haben. Er zog es aber vor, sein eigenes Geschäft mit „der Ware Mensch“ aufzuziehen und der Konkurrenz aus dem Weg zu gehen. Er schlug in Krems seine Zelte auf und begann, nach einigen Solo-Schlepperfahrten, ein Fahrerteam aufzubauen.

Unter seinen Landsleuten fanden sich schnell Helfer, und das Schleusergeschäft begann im Schichtbetrieb mit wechselnder Besetzung zu laufen. Dabei vermied es das jeweilige Fahrerteam aufzufallen: Keine Kleintransporter oder Laster, nein, im Mercedes oder Audi mit Kremser Kennzeichen wurden maximal drei Personen über die Grenzen gebracht.

Festnahme an der deutschen Grenze

Am 5. Mai vergangenen Jahres endete für M. die Schleuserkarriere abrupt mit der Festnahme an der deutschen Grenze. Der 29-jährige Christian-Constantin P. übernahm kurzfristig die Chef-Rolle von M., bis auch für ihn und fünf weitere Helfer die Handschellen klickten.

Vor dem Kremser Schöffensenat zeigte sich die siebenköpfige Schlepper-Truppe zum Großteil geständig. Es wollte nur jeder der Schleuser eine untergeordnete Rolle gespielt haben und zu keiner kriminellen Vereinigung gehören.

Schuldsprüche wegen gewerbsmäßiger Schlepperei

Da eine wichtige Belastungszeugin gegen den mutmaßlichen Drahtzieher M. fehlte, wurde das Verfahren gegen den 22-Jährigen ausgeschieden.

Für den Rest der Beschuldigten ging es bis zum bitteren Ende: Schuldsprüche wegen gewerbsmäßiger Schlepperei als Mitglied einer kriminellen Vereinigung. Für „Reserve-Chef“ P. setzte es zwei Jahre hinter Gittern (nicht rechtskräftig). Vier Angeklagte wurden zu teilbedingten Freiheitsstrafen verurteilt. Ein kleines Helferlein kam mit vier Monaten auf Bewährung davon.