Erstellt am 08. Dezember 2015, 05:03

von Thomas Werth

„Solche Probleme hatten wir noch nie“. Bezirksstelle hat Finanzierung in die Hände des Landesverbandes gelegt. Doch das Projekt stellt auch diesen vor große Hindernisse.

Die Finanzierung des rund 4,2 Millionen Euro teuren Neubaus wurde an den Landesverband des Roten Kreuzes übergeben. Zu einem ersten Termin kam aber keiner der eingeladenen Bürgermeister.  |  NOEN, Johann Lechner

Das Rote Kreuz Krems kümmert sich ab sofort nur mehr um die Planung des Neubaus, die Finanzierung wurde aus der Hand gegeben.  „Wir haben diese Angelegenheit an den Landesverband weitergegeben, er soll sich um die Finanzierung kümmern“, erklärt Bezirksstellenleiter Johann Paul Brunner. Wie bereits berichtet, warteten die Verantwortlichen der Bezirksstelle bislang vergeblich auf die im Vorfeld des Bauvorhabens notwendige Zustimmung der Gemeinden – und das, obwohl diese bereits vor Monaten über die auf sie zukommenden Kosten informiert worden sind.

„Es gibt die Tendenz, dass sich
nicht alle Gemeinden ihren
Anteil am Neubau
leisten können.“
Roman Janacek, Bergern

Doch auch für den Landesverband läuft es nicht besser. Er hat alle 25 Bürgermeister der von der Kremser Bezirksstelle betreuten Gemeinden zu einer gemeinsamen Info-Veranstaltung geladen. Gekommen ist allerdings niemand, es soll überhaupt nur ein einziger Gemeinderat anwesend gewesen sein. „Wir hatten für den Termin eigentlich eine Präsentation geplant, anhand derer wir noch einmal dargestellt hätten, wie die Finanzierung aussehen wird“, erklärt Rot-Kreuz-Landesgeschäftsführer Peter Kaiser. Nun wurde diese per Post an die Gemeindeämter geschickt.

Spätestens Ende Jänner soll es einen erneuten Versuch für ein gemeinsames Treffen geben. Kaiser ist jedenfalls verwundert, wie die Dinge bis jetzt gelaufen sind: „Solche Probleme wie in Krems haben wir noch nie erlebt. Einerseits hebt man das Ehrenamt immer hervor, andererseits passiert dann so etwas.“ Kaiser blickt gleichzeitig nach St. Pölten, wo ebenfalls ein Neubau geplant ist.

„Dort sind bei einem Treffen bis auf zwei Bürgermeister alle gekommen – und die zwei, die nicht gekommen sind, haben sich entschuldigt und bekräftigt, dass sie für das Projekt sind.“ Dennoch ist der Landesgeschäftsführer überzeugt, dass der Neubau auch in Krems realisiert werden könne: „Die Weihnachtszeit nutzen wir als Cooldown-Phase.“

Mehrere Gründe für fehlende Zustimmung

Doch warum scheitert der Neubau bislang an einigen Gemeinden? Dafür scheint es mehrere Gründe zu geben. Der erste dürfte die finanziell angespannte Situation einiger Gemeinden sein. So erklärt etwa Bergerns Bürgermeister Roman Janacek: „Es gibt die Tendenz, dass es sich nicht alle Gemeinden leisten können. Es sitzen alle im Boot, auch die, die schon für den Hochwasserschutz zahlen müssen.“ Und so würden auch Gemeinden wie Bergern, die das Geld aufbringen könnten, mit ihrer Zusage warten. „Sonst haben wir es umsonst im Budget berücksichtigt“, erklärt Janacek.

Zudem wird die zu späte Einladung zum Termin kritisiert. „Es wurde kurzfristig zum Treffen im Anschluss an die Bürgermeister-Konferenz in der BH geladen. Anscheinend dachte man sich, dass zu diesem Zeitpunkt ohnehin alle da wären. Doch viele hatten danach schon andere Termine vereinbart“, erklärt Mauterns Bürgermeister Heinrich Brustbauer. Nachsatz: „Bekommen wir ein paar Wochen mehr Zeit, dann bin ich auch bereit, zu diesem Termin zu kommen.“

Ähnlich sieht es auch Gföhls Bürgermeisterin Ludmilla Etzenberger: „Es ist unglücklich gelaufen.“ Sie habe bereits bei einem Einzelgespräch erwähnt, dass ein derartiger Termin im Dezember keinen Sinn habe. „Es sollte ihn aber geben. Wir müssen die Finanzierung auf Schiene bringen und es mit dem Land absprechen.“

Doch glaubt man den lauter werdenden Gerüchten, so soll es noch einen weiteren Grund geben: Landtagspräsident Hans Penz soll angeblich die Zurückhaltung der Gemeinden bewirken. „Auch ich habe gehört, dass er bei Gemeinden anklopft“, erklärt Kaiser. Hintergrund soll Penz‘ Engagement beim Hilfswerk Krems-Wachau sein, wo er seit März Präsident ist.

Und das Rote Kreuz könnte durch den Neubau die Hauskrankenpflege (wurde bereits vom Land genehmigt und wird auch jetzt schon betrieben) erweitern und damit in verstärkter Konkurrenz zum Hilfswerk treten. Vom Landtagspräsidenten kam dazu bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.