Erstellt am 09. September 2015, 06:47

von Martin Kalchhauser

Wägen müssen weg. Kostenlose Schlafplätze für Praktikanten bald Vergangenheit? Reinsaat-Geschäftsführerin ortet Willkür.

Reinhild Frech-Emmelmann, Geschäftsführerin der Reinsaat in St. Leonhard, zeigt die umstrittenen Wohnwägen.  |  NOEN, Martin Kalchhauser

Mehrere Jahre lang bereits stellt die Firma Reinsaat ihren Praktikanten (Studenten) drei Wohnwägen, die in einer uneinsehbaren Mulde unweit des Hauptgebäudes stehen, als kostenloses Quartier zur Verfügung. Jetzt müssen sie plötzlich weg.

Wägen dienen nur als Schlafstätte

„Willkür“ nennt Geschäftsführerin Reinhild Frech-Emmelmann die Aktion der Behörde, die nach einer Anzeige tätig wurde. Die Chefin des seit 1998 tätigen, einzigen biologisch wirtschaftenden Gemüsesaatgut-Unternehmens Österreichs (30 Bedienstete) fühlt sich alleingelassen.

„Obwohl die Wägen nur als Schlafstätte dienen und von den Gästen die Sanitärräume im Haus genutzt werden, haben wir versucht, die Wiese als Campingplatz anzumelden. Das wurde abgelehnt. Wir fühlen uns auch von unserer Gemeinde alleine gelassen.“ Eine Unterschriftenaktion gegen die Räumung läuft.

„Hier sind mir die Hände gebunden.“
Bürgermeister Hermann Steininger

„Ich unterstütze den Betrieb, so gut ich kann“, tritt Bürgermeister Hermann Steininger dem Vorwurf mangelnder Unterstützung entgegen und will sich zum laufenden Verfahren nicht äußern: „Hier sind mir die Hände gebunden.“

„Wir haben versucht, Lösungen zu finden, aber Wohnwägen im Grünland sind verboten“, bedauert Bezirkshauptfrau Elfriede Mayrhofer. Sie habe Verständnis für das Anliegen des Unternehmens. „Wir sind bemüht, einen Konsens zu finden.“ Vorläufiges Ergebnis: Die Frist für die Entfernung der Wohnwägen wurde bis Mitte Oktober verlängert.