Erstellt am 14. Juni 2016, 04:35

von Thomas Werth

Streit um Familienparkplätze - Strafen notwendig?. Nicht nur Personen mit Kind nutzen Familienparkplätze. Strafe wäre möglich.

Familienparkplätze sind eigentlich – wie der Name schon sagt – für Familien da. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Übrigens: Da diese Parkplätze nicht in der StVO geregelt sind, variiert auch deren Logo.  |  NOEN, Lechner
„Bequemheit oder Unwissenheit?“ Diese kurze Frage führte auf einem Parkplatz eines Supermarktes in Krems zu einer kurzen, aber hitzigen Diskussion. Die Beteiligten: eine Mutter mit Kleinkind und ein Herr mittleren Alters. Der Grund: Der Mann parkte mit seinem Auto auf einem sogenannten Familienparkplatz – von einem Kind war aber weit und breit keine Spur.

Familienparkplätze gibt es laut Straßenverkehrsordnung nicht, sie sind daher nur auf Privatparkplätzen zu finden. Vor allem Supermärkte bieten sie als zusätzlichen Service für Kunden mit Nachwuchs an. Sie zählen neben Behindertenparkplätzen zu jenen Stellplätzen, die sich meist in bester Lage in unmittelbarer Nähe zum Eingang befinden und breiter als gewöhnliche Parkplätze sind. Aufgrund ihrer Lage werden sie – vor allem bei Schlechtwetter oder Hitze – aber auch gerne von Personen ohne Kind genutzt. Doch müsste der oben genannte Lenker überhaupt mit Konsequenzen rechnen?

Problem bekannt, Strafen unrealistisch

„Ja“, erklärt ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried. Im schlimmsten Fall könnte nämlich eine Androhung einer Besitzstörungsklage per Rechtsanwaltschreiben auf den Lenker zukommen. In diesem Fall müsste er die Anwaltskosten von rund 200 Euro bezahlen.

Doch die Realität sieht jedoch meist anders aus – wenngleich das Problem bekannt ist, wie Spar-Sprecherin Nicole Berkmann betont: „Leider gibt es immer wieder Kunden, die weder auf Behinderten- noch auf Familienparkplätze Rücksicht nehmen.“

Es gibt einfach Menschen, die nicht an andere,
die sich vielleicht schwerer tun, denken.“
Nicole Berkmann, Spar

Spar habe schon viele Möglichkeiten versucht. „Große unübersehbare Schilder, freundliche Aufforderungen an der Windschutzscheibe, Kontrollen durch Marktmitarbeiter – aber nichts nutzt. Es gibt einfach Menschen, die nicht an andere, die sich vielleicht schwerer tun, denken“, so Berkmann. Das Aufstellen eines Wachpostens wäre laut Berkmann das einzige, was nützen würde: „Aber das ist natürlich nicht möglich.“

Auch Merkur bietet seit mehreren Jahren Familienparkplätze an und hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Natürlich lebt das Service ,Familienparkplatz’ davon, dass jeder Kunde sozial verantwortlich vorgeht und das Angebot jenen überlassen bleibt, die es dringender benötigen“, so Pressesprecherin Ines Schurin. Zwar nehme Merkur bei einigen Parkplätzen die Dienste einer externen Parkraumüberwachung in Anspruch, allerdings wird dabei lediglich die Dauer des Parkens überwacht. „Die ordnungsgemäße Verwendung des Familienparkplatzes wird nicht kontrolliert – das wäre auch nur schwer umsetzbar“, so Schurin.